Madrid. Das Oberste Gericht Spaniens hat die Exhumierung der sterblichen Überreste des früheren Diktators Francisco Franco genehmigt. Das Gericht teilte am Dienstag mit, es habe einstimmig beschlossen, die Berufung von Francos Angehörigen gegen die Exhumierung abzulehnen.

Die Regierung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez wollte Francos Gebeine ursprünglich bereits im Juni exhumieren und umbetten, doch hatten die Richter den Plan auf Antrag von Francos Nachfahren zunächst gestoppt. Über die Umbettung der Gebeine Francos wird in Spanien schon seit langem gestritten. Sein monumentales Mausoleum im Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen) nordwestlich von Madrid ist seit Jahren eine Pilgerstätte für Rechte und Rechtsextreme. Die Regierung will seine Überreste daher in einem kleineren Grab außerhalb von Madrid neu beisetzen.

General Francisco Franco auf einer Archivaufnahme vom 1. Jänner 1936. - © APAweb / afp, Joanna Marcos
General Francisco Franco auf einer Archivaufnahme vom 1. Jänner 1936. - © APAweb / afp, Joanna Marcos

Franco-Diktatur beschäftigt auch Spaniens Filmbranche

Die heißen Debatten um die Überreste des Generalisimo zeigen, wie sehr Franco, der Spanische Bürgerkrieg (1936-1939) und die anschließende faschistische Diktatur bis 1975 das Land immer noch spalten und bewegen. Nicht nur die Gesellschaft und die Politik, auch die Kulturszene. Das zeigt heuer das Internationale Filmfestival von San Sebastian. Beide spanische Wettbewerbsfilme beschäftigen sich mit dem Thema des Bürgerkriegs und der Diktatur.

Kritische Stimmen in Film und Kunst

Oscar-Preisträger Alejandro Amenabar beleuchtet in seinem packenden Historiendrama "While At War" anhand der kritische Stimme des Dichters Miguel de Unamuno den Beginn und die Umstände des spanischen Bürgerkriegs. Unamuno, grandios verkörpert von Karra Elejalde, war zerrissen zwischen seiner Unterstützung und der Ablehnung des damaligen Militäraufstandes. Speziell in seiner historischen Auseinandersetzung mit dem Gründer der spanischen Fremdenlegion Jose Millan-Astray erhebt Amenabar Unamuno zur moralischen Instanz.

Er wolle mit seinem Film kein Öl ins Feuer gießen und niemanden bloßstellen. "Aber es wäre gut für uns, wenn wir heute ein paar Unamunos in Spanien hätten. Viele Politiker und Intellektuelle scheuen sich heute, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen", erklärte der Regisseur auf dem Filmfestival in der baskischen Küstenstadt. Die Wunden des Bürgerkriegs und der Diktatur seien keineswegs geheilt, wie die aktuellen Debatten um die Überreste Francos zeigten. "Und hier haben wir Kulturschaffenden ebenfalls eine Pflicht, unsere Meinung zu sagen, in Interviews, Diskussionen und in Filmen. Wir sind Kommentaren unserer Zeit".

So nahm Amenabar auch bewusst den unter Franco aufblühenden Konflikt mit dem Baskenland und Katalonien auf. Die beiden seit Jahrzehnten nach Unabhängigkeit strebenden Regionen wurden von den Franquisten als zu bekämpfendes Antispanien angesehen. Im Baskenland ist es seit dem Ende des bewaffneten Kampfes der baskischen Terrororganisation ETA etwas ruhiger geworden. In Katalonien hingegen wird die Separatistenbewegung gerade mit dem Mitte Oktober zu erwartenden Gerichtsurteil gegen mehrere Separatistenführer wegen Rebellion wieder lauter. In diesem Kontext möchte Amenbar mit seinem Film zur "Versöhnung, zum friedlichen Nebeneinander" aufrufen.

Stimmen aus der Vergangenheit

Die drei spanischen, aus dem Baskenland stammenden Filmemacher Jon Garano, Aitor Arregi und Jose Mari Goenaga zeigen in ihrem erschütternden Drama "La trinchera infinita" (The endless trench) hingegen, wie weit die Auswirkungen des Bürgerkriegs noch bis in die nahe Vergangenheit reicht. Dabei beleuchten sie ein allgemein relativ unbekanntes Thema - die vor dem Franco-Regime Untergetauchten. Als Franco 1969 ein Amnestiegesetz für die Regimegegner und Kriegsverbrecher beider Seiten veröffentlichte, kamen Dutzende, zu Bürgerkriegszeiten linke Republikaner aus ihren Verstecken, in denen sie teils über 30 Jahre lang wie Tiere lebten. Schauspieler Antonio de la Torre stellt grandios einen dieser sogenannten "Maulwürfe" dar, der bis 1969 in Andalusien einem Kellerloch hinter einer zweiten verstecken Innenmauer hauste. Ein bewegendes, erschreckendes Beispiel, wie Menschen noch bis vor wenigen Jahren in Spanien unter den Folgen der faschistischen Gewaltherrschaft litten, die heute wieder von vielen verharmlost wird. (apa, afp)