"Wiener Zeitung": Welche Rolle spielt die Kirche in Lateinamerika im Vergleich zu Europa?

Pater Paulus Budi Kleden: So wie in anderen Teilen der Welt spielt sie dort noch eine ganz große Rolle. Die Leute identifizieren sich mit ihr, wobei in einigen Regionen Lateinamerikas die evangelikalen Freikirchen noch stärker sind. Ich habe jüngst bei einem Kongress in Brasilien erlebt, wie wichtig die Kirche ist. Deshalb bin ich froh, dass die Synode stattfindet, auch mit Teilnahme von Steyler Missionaren. Sie behandelt drei Fragen, die nicht nur in Amazonien brennend sind, sondern auch in anderen Teilen der Welt: die Rechte ethnischer Minderheiten, Ökologie und die kirchlichen Dienste.

Pater Paulus Budi Kleden, geboren 1965 in Indonesien, ist seit 30. September 2018 Generalsuperior der Steyler Missionare, die mit rund 6000 Ordensmännern in 82 Ländern der sechstgrößte Männerorden der Welt sind. - © SVD/Franz Helm
Pater Paulus Budi Kleden, geboren 1965 in Indonesien, ist seit 30. September 2018 Generalsuperior der Steyler Missionare, die mit rund 6000 Ordensmännern in 82 Ländern der sechstgrößte Männerorden der Welt sind. - © SVD/Franz Helm

Was sollte am Ende herauskommen?

Es ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung, dass diese Fragen überhaupt diskutiert werden. Dass der Vatikan die Probleme sieht und auch stark reagiert hat. Die Lösungen werden Zeit brauchen.

Wie sehen Sie die Debatte um Viri Probati und Diakoninnen?

Es ist wichtig, dass die Not der Gemeinden wahrgenommen wird. Sie müssen die Möglichkeit bekommen, Auswege zu suchen. Ich habe da keine klaren Antworten, aber ich hoffe, dass die Experten mit Erfahrung aus dem Feld die Synode weiterbringen werden. Die Probleme Amazoniens habe ich auch zum Beispiel in West-Papua gesehen: Die Einheimischen leiden unter Landraub. Plantagen und Waldbrände zerstören den Urwald. Und wir haben dort eine Pfarre mit rund 40 Außenstationen, die teils nur mit dem Flugzeug zu erreichen sind. Da schafft es der Pfarrer oft nur einmal im Jahr hin. Dazwischen sind die Laien auf sich allein gestellt. Die Idee der Viri Probati ist ja nicht neu, die wurde etwa schon bei der Synode der Kirche in Asien im Jahr 1998 diskutiert.

Jeder vierte Steyler Missionar kommt aus Indonesien. Ist es angesichts des eklatanten Priestermangels dort nicht kontraproduktiv, Priester nach Europa zu holen, weil sie in der Heimat fehlen?

Wir Steyler sind eine internationale Gemeinschaft mit 6000 Mitgliedern aus 74 Ländern - uns liegt Internationalität im Blut. Wir leben das auch: Wenn ich irgendwo vier Steyler treffe, dann kommen die aus vier verschiedenen Kontinenten. Es ist aber nicht immer einfach, in fremden Kulturen zu leben. Wir müssen jedenfalls schauen, dass ausländische Priester nicht bloß Lücken füllen, sondern dass ihre Präsenz einen Mehrwert hat. Sonst wird die Möglichkeit eines Weiterdenkens blockiert, welche neue Formen wir als Kirche leben können. Ganz wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit den Laien. Wenn deren Rolle durch die Präsenz von mehr Priestern reduziert wird, ist das grundfalsch.