Luxemburg/Vatikanstadt. Der neue luxemburgische Kardinal Jean-Claude Hollerich hat sich offen für verheiratete Priester gezeigt. Zur Debatte um eine Zulassung reiferer Ehemänner, sogenannter "viri probati", zum katholischen Priesteramt sagte Hollerich laut einem Kathpress-Bericht vom Samstag vor Journalisten im Vatikan, wenn im Amazonasgebiet ganze Regionen keine Eucharistie feiern könnten, sei das ein großes Problem.

"Wenn da viri probati eine Lösung sind, warum nicht?", so der Erzbischof von Luxemburg wörtlich. Hollerich, der am Samstag von Papst Franziskus ins Kardinalskollegium aufgenommen wird, verwies auf verheiratete Priester in katholischen Ostkirchen und auf übergetretene anglikanische Geistliche. Anders als manche behaupteten, gehe es nicht um die Theologie des Priestertums.

Der 61-Jährige hob auch den unterschiedlichen Erfahrungshorizont von Ehemännern hervor. "Ich liebe meinen Zölibat, ich stehe dazu, aber ich sehe, dass die verheirateten Diakone anders predigen können als ich, und das finde ich an sich eine wunderbare Ergänzung", sagte Hollerich.

Keine Plastikflaschen - weniger Fleisch

Hollerich, Vorsitzender der EU-Bischofskommission COMECE, nimmt auf persönlichen Wunsch des Papstes an der am Sonntag beginnenden Amazonien-Synode teil. Zuvor wird er am Samstag mit zwölf weiteren Männern von Franziskus ins Kardinalskollegium aufgenommen. In diesem Zusammenhang würdigte Hollerich auch die "Fridays for future"-Bewegung, die bereits Auswirkungen auf seinen Alltag genommen habe. "Ich spüre, dass ich viele kleine Dinge ändern muss", sagte Hollerich. So verzichte er auf Plastikflaschen, habe seine Kaffeemaschine gewechselt und esse nur zweimal die Woche Fleisch - "weil ich einfach die jungen Leute gern habe".

Man müsse "den Schrei der jungen Generation hören", meinte Hollerich. Im Zusammenhang mit der Umweltthematik verwies er auch auf die Bedeutung des Amazonasgebiets. Diese Region sei "wichtig für das Leben aller Menschen"; das Leben der Menschen in Europa und in Südamerika hänge zusammen. Daher sehe er auch notwendige persönliche Konsequenzen.

Amazonien-Synode beginnt

Vom 6. bis 27. Oktober beraten in Rom Bischöfe und andere Kirchenvertreter über seelsorgliche Fragen des Amazonasgebiets. Das Treffen findet auf Einladung von Papst Franziskus statt und steht unter dem Thema "Amazonien - neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie". Ähnliche Synoden fanden schon für den Nahen Osten oder Afrika statt.

Im Vorfeld betonte Kardinal Christoph Schönborn, der ebenso daran teilnimmt:  "Es geht um die Zukunft des Planeten." Amazonien gilt mit rund 7,5 Millionen Quadratkilometern als "grüne Lunge" der Welt und hat damit eine globale Bedeutung. Die Synode müsse "initiativ und prophetisch sein" im Blick auf die grundlegenden human-ökologischen Themen, "sonst ist sie für die Katz", so der Wiener Erzbischof. (apa)