"Es trifft uns ins Herz"

Einem Medienbericht zufolge sollen auch im 15 Kilometer östlich von Halle gelegenen Landsberg Schüsse gefallen sein. Die Bevölkerung wurde auch hier aufgefordert, Gebäude und Wohnungen nicht zu verlassen. Im nahe gelegenen Leipzig verstärkte die Polizei ihre Kräfte vor der Synagoge. Auch vor der Synagoge in Dresden wurde nach Angaben der Polizei der Schutz erhöht. In anderen deutschen Städten wurde der Schutz ebenfalls entsprechend verstärkt, ebenso wie in Wien. Zwar sei der Objektschutz aufgrund des jüdischen Feiertages Yom Kippur ohnehin stärker, aufgrund der unsicheren Lage in Deutschland seien nun aber auch Beamte der Sondereinheit Wega hinzugezogen worden, hieß seitens der Polizei in Wien. Man betonte aber, dass es keine konkrete Gefährdungslage gebe.

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat nach dem Angriff von Halle zu Solidarität mit den jüdischen Menschen in Deutschland aufgerufen. In Halle sei passiert, was in Deutschland unvorstellbar schien, sagte Steinmeier bei einem Lichtfest in Leipzig anlässlich des 30. Jahrestags der friedlichen Revolution.

"In einem Land mit dieser Geschichte"

"In einem Land mit dieser Geschichte". "Das war mir unvorstellbar", fügte Steinmeier hinzu. "Lassen Sie uns Solidarität zeigen mit den jüdischen Menschen in diesem Land", sagte er unter Beifall von mehreren tausend Menschen. Die Botschaft von 1989, die damals lautete "Wir stehen zusammen gegen Gewalt", sei immer noch aktuell. Die Teilnehmer des Lichtfestes hatten zuvor eine Schweigeminute eingelegt, um den Opfern von Halle zu gedenken.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte am Abend: "Die Brutalität des Angriffs übersteigt alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und ist für alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock." Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen die Polizei. "Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Yom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös." Er fügte hinzu: "Wie durch ein Wunder ist nicht noch mehr Unheil geschehen."

Deutschlands Außenminister Heiko Maas zeigte sich angesichts der Tat tief erschüttert. Dass am Versöhnungsfest "auf eine Synagoge geschossen wird, trifft uns ins Herz", schrieb Maas am Mittwoch über den Kurzbotschaftendienst Twitter. "Wir alle müssen gegen den Antisemitismus in unserem Land vorgehen", betonte er.