London. 39 Leichen sind in der Nacht auf Mittwoch auf einem Industriegelände rund 30 Kilometer südlich des Zentrums von London in einem Lkw-Container entdeckt worden. Bei den Toten handelt es sich vermutlich um 38 Erwachsene und einen Teenager, berichtete die Polizei der Grafschaft Essex. Der Fahrer des Lkw, ein 25-jähriger Nordire, wurde unter Mordverdacht festgenommen.

Wir glauben, dass der Lastwagen aus Bulgarien gekommen ist", sagte ein Polizeisprecher. Der Lkw soll bereits am vergangenen Samstag über Holyhead in Wales nach Großbritannien eingereist sein. Fahrzeuge, die dort die Grenze passieren, kommen üblicherweise aus Irland. Welche Route der Truck aber genommen hatte, war noch Gegenstand der Ermittlungen.

"Wir sind gerade dabei, die Leichen zu identifizieren", berichtete ein Polizei-Sprecher. Er vermutete, es "könnte ein langwieriger Prozess werden". Spurensicherer in Schutzanzügen untersuchten den großen weißen Auflieger und das rote Fahrerhaus des Lastwagens.

Fundort abgeriegelt

Der Fundort des Containers - der Waterglade Industrial Park in Grays - wurde weiträumig abgeriegelt. Alle Opfer waren beim Eintreffen der Einsatzkräfte gegen 1.40 Uhr Ortszeit (2.40 Uhr MESZ) bereits tot, so die Polizei in einer Presseaussendung. Die 73.000-Einwohner-Stadt liegt in der Verwaltungseinheit Thurrock an der Themse.

"Es handelt sich um einen tragischen Unfall, bei dem vielen Menschen ihr Leben verloren haben", hieß es von Brandon Lewis, Staatssekretär im britischen Innenministerium. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und Freunden."

Die britische Innenministerin Priti Patel reagierte "schockiert" und "traurig" auf die Nachricht vom Leichenfund. Man müsse der Polizei nun genügend Raum geben, um ihre Ermittlungen durchzuführen, schrieb sie auf Twitter.

Ähnlich erschüttert gab sich Großbritannien Premier Boris Johnson. Er werde regelmäßig von der Polizei in Essex über jüngste Entwicklungen informiert. Johnson kondolierte in einer ersten Reaktion den Opfern und Hinterbliebenen.