Bei dem schwersten Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten sind am Dienstag mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen und 600 weitere verletzt worden. Das Beben der Stärke 6,4 erschütterte das Land in den frühen Morgenstunden und war auf dem gesamten Balkan sowie in Italien zu spüren. "Es gibt Opfer", schrieb Regierungschef Edi Rama kurz darauf im Onlinedienst Twitter. "Wir arbeiten daran, in den betroffenen Gebieten alles, was nur möglich ist, zu tun."

Am schwersten wurde die Umgebung der Hafenstadt Durres an der Adriaküste getroffen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums brach in der Stadt ein dreistöckiges Hotel zusammen, mehrere weitere Gebäude wurden schwer beschädigt. "Plötzlich ging alles aus", sagte Rozina Myrta, die ganz in der Nähe des eingestürzten Hauses wohnt. "Die Menschen schrien und weinten."


Rettungskräfte fanden drei Leichen in den Trümmern des Hotels. Die albanische Polizei rief die Einwohner von Durres und der Umgebung dazu auf, auf Autofahrten zu verzichten, um den Rettungskräften den Weg frei zu halten. Zwei weitere Tote gab es in der nahegelegenen Stadt Thumana. In Kurbin kam ein etwa 50 Jahre alter Mann ums Leben, als er in Panik aus einem Gebäude sprang. Auch in Albaniens Hauptstadt Tirana sorgte das Beben für Angst und Schrecken, zahlreiche Menschen rannten auf die Straße.

Das Verteidigungsministerium schickte 300 Soldaten nach Durres und Thumana, um bei den Rettungs- und Bergungsarbeiten zu helfen. Nach Angaben einer Sprecherin wurden noch Menschen unter den Trümmern eines fünfstöckigen Hauses vermutet.

Warnung vor Nachbeben

Laut dem albanischen Erdbebenexperte Rrapo Ormeni hat es ein so starkes Erdbeben in der Region zuletzt 1926 gegeben. Dem Erdbebenzentrum EMSC zufolge gab es auch noch mehrere Nachbeben, darunter eines der Stärke 5,3. Auch das Außenministerium in Wien warnte vor möglichen Nachbeben. Österreichern in Albanien wurde empfohlen, entsprechende Vorsicht an den Tag zu legen, den Behördenanweisungen zu folgen und sich via Medien informiert zu halten.


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Angesichts der Schwere des Bebens hat die EU bereits das Katastrophenschutzverfahren aktiviert. Drei Such- und Rettungsteams wurden nach Albanien entsandt, um die dortigen Behörden bei ihren Such- und Rettungseinsätzen zu unterstützen. Auch Mitarbeiter des Rotes Kreuzes und der Caritas sind bereits in Albanien im Hilfseinsatz, beide Organisationen riefen via Aussendung am Dienstag zu Spenden auf.


"Wir sind über unser internationales Netzwerk mit den Kollegen in Albanien in Kontakt und haben bereits unsere Hilfe angeboten", sagte Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. "Wir können Hilfsgüter liefern und – wenn nötig – sauberes Trinkwasser produzieren." Die nun betroffene Region war erst im September von einem Beben der Stärke 5,6 erschüttert worden, bei dem rund 500 Häuser beschädigt wurden. Die Behörden sprachen damals vom stärksten Beben der vergangenen 20 bis 30 Jahre.