Maschinengewehrsalven und Kanonendonner in den Straßen von Bukarest - tausend Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten, fanden den Tod. Panzer an jeder Straßenecke, zerschossene Häuser, die am Weihnachtstag wie Mahnmale in die Höhe ragen: Der Fall des Kommunismus in Rumänien 1989 verlief blutig und verstörend - ganz anders als in den übrigen Staaten des damaligen Sowjetblocks.

Das Regime des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu war repressiver als andere KP-Diktaturen in Osteuropa. Die gefürchtete Staatspolizei Securitate unterdrückte jeden Widerstand - und das äußerst brutal. Ceausescu selbst hielt sich für unbesiegbar, auch wenn seit einigen Jahren eine Welle antikommunistischer Bewegungen durch den Sowjetblock rollte.

Politisch und wirtschaftlich ging es den Rumänen weit schlechter als den Bürgern anderen Sowjet-Satelliten. Drastische Kürzungen von Energie- und Essensvorräten gingen einher mit gigantischen Bauprojekten, die auf die Menschen wie eine Verhöhnung wirkten. Eine Opposition gab es nicht, wer Widerstand leistete, wurde niedergeknüppelt.

Hunger und Kälte

"Ceausescus allgegenwärtiger National-Stalinismus hat damals die gesamte menschliche Existenz überrannt", formuliert es der rumänische Kommunismus-Forscher Vladimir Tismaneau. Er habe das Land abgeschottet, konnte es sich leisten, Protestbewegungen "mit maximaler Brutalität und Niedertracht zu liquidieren", so der Historiker, der auf den "widerlichen Personenkult" verweist, den Ceausescu und dessen Frau Elena etablierten. "Es war ein institutionalisiertes Delirium, das im Lauf der Zeit auch vom Sicherheitsapparat und von der Partei nicht mehr gestützt werden konnte."

Eine Rumänin trauert um ihren Sohn, der bei den Dezember-Kämpfen 1989 ums Leben gekommen ist. - © afp/Mihailescu
Eine Rumänin trauert um ihren Sohn, der bei den Dezember-Kämpfen 1989 ums Leben gekommen ist. - © afp/Mihailescu

Die Lebensmittelversorgung war miserabel, der Dezember 1989 ungewöhnlich kalt, die Menschen litten. In Bukarest zirkulierte folgender Witz: "Bitte im Winter die Fenster nicht öffnen, damit die Fußgänger auf der Straße nicht erfrieren." Die Bevölkerung hungerte, fror und verelendete.

Die Wirtschaft war längst kollabiert, was Ceausescu nicht wahrhaben wollte. Noch am 14. Dezember referierte der "Conducator", also "Führer", in einer dreistündigen Rede vor KP-Funktionären Statistiken über die Produktion von Autos, Kühlschränken und Fernsehern, Traktoren und Getreide. Niemand konnte ihm folgen, jeder wusste, dass die Zahlen keine Aussagekraft hatten, weil die Berechnungen beim Punkt Null im Jahr 1945 begannen.

Ceausescu versprach, nach einer "vorübergehenden" Politik der Austerität werde man bis zum Jahr 1990 alle Auslandsschulden zurückzahlen - 6,2 Milliarden Dollar. Dann werde Rumänien die "Segnungen des Sozialismus in vollen Zügen genießen". Die Rumänen "genossen" 1989 die Rationierung von Grundnahrungsmitteln und Mangel an Kohle und Heizöl. Die Versorgung funktionierte nicht, weil die Planziele überhöht errechnet und nicht mit den Planzielen von Zulieferbetrieben akkordiert worden waren. Wurden die Ziele nicht erreicht, gab es Lohnkürzungen für die Arbeiter.