Die Rumänen durften ihre Wohnungen nur bis 14 Grad heizen, genehmigt wurde nur ein Drittel an Strom eines bescheidenen Normalbedarfs. Ceausescu feuerte hintereinander zwei Energieminister, aber die Produktion blieb unzureichend. Im Kraftwerk Turceni fehlten so viele Ersatzteile, dass Reparaturen unmöglich waren und die Produktion auf 16 Prozent absank. Schulkinder saßen in Mänteln im Unterricht, Patienten froren in den Krankenhäusern und die Säuglingssterblichkeit stieg an. Wobei Kinderreichtum im Rumänien der 80er-Jahre oberstes Gebot war. Das Kindergeld wirkte sich erst ab dem vierten Kind aus, Abtreibungen und Kinderlosigkeit wurden vom Regime bestraft. Arbeiter wurden nach und nach durch Soldaten ersetzt, die als politisch zuverlässiger galten und nicht streiken durften. Beim Bau des Donau-Schwarzmeer-Kanals, der U-Bahn in Bukarest und des gigantomanischen Partei- und Regierungsviertels in Bukarest wurden ganze Armeeinheiten eingesetzt.

Als die Schuldenlast immer größer wurde, dekretierte Nicolae Ceausescu sein Programm "Gesundung durch Mäßigung". Nahrung wurde exportiert, Importe, auch von Medikamenten, eingeschränkt. Ansprechen ließ sich Ceausescu als "heroischer Revolutionär und größter Sohn Rumäniens". Überall saßen Verwandte an den Schalthebeln der Macht. Von Gorbatschows Reformpolitik wollte der selbstherrliche Diktator nichts wissen. Perestrojka bezeichnete er als "eine gefährliche und unverzeihliche Abweichung von den Grundsätzen des Sozialismus". Schon davor hatte sich Rumänien von der UdSSR schrittweise entfernt.

Ende Dezember 1989 war dann das Maß voll, war auch mit Waffengewalt der Erhalt der Macht nicht mehr zu retten. Die Revolution brach aus, die Diktatur antwortete mit Panzern. Das Ceausescu-Regime fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Der Funken, der zur Explosion führte, entzündete sich im westrumänischen Temesvar, wo der regimekritische Pfarrer Laszlo Tökes predigte und vom Regime entsprechend drangsaliert wurde. Am 2. November war der Pfarrer von maskierten Securitate-Männern in seiner Wohnung überfallen und verletzt worden, am 15. Dezember sollte er komplett aus dem Weg geräumt und deportiert werden. Hunderte, dann tausende Menschen versammelten sich vor seinem Haus, um das zu verhindern.

Die Leute hatten Kerzen in den Händen und sangen. Es kam zu Ausschreitungen, Sicherheitsmänner prügelten auf die Menschen ein, Tökes wurde verhaftet und ebenfalls verprügelt. Dann wurde scharf geschossen, es gab dutzende Tote.

Der Tyrann fällt

Am 21. Dezember griffen die Unruhen auf die Hauptstadt Bukarest über. An diesem Tag wurde Ceausescu zum ersten Mal in seinem Leben als Diktator niedergeschrien. Als er zu einer riesigen Menschenmenge sprach, von der er annehmen musste, dass sie auf seiner Seite stand, brandeten plötzlich Protestrufe auf. "Nieder mit Ceausescu! Freiheit für Rumänien!" Der Diktator erstarrte, er musste erst erfassen, was da vor sich ging. Um die aufgebrachten Menschenmassen wieder in den Griff zu bekommen, rief er zunächst ratlos "Hallo, Hallo!" in die Menge. Und: "Bleibt ruhig auf euren Plätzen!" Das rumänische Fernsehen unterbrach die Direktübertragung und spielte Musik.

Am Folgetag verhängte Ceausescu den Notstand über das ganze Land. Um 11.30 Uhr versuchte er ein letztes Mal, zu den vor dem ZK-Gebäude versammelten Menschen zu sprechen, und wurde wieder ausgebuht. Zu Mittag flohen die Ceausescus mit einem Notfall-Hubschrauber, der am Dach ihres Palastes geparkt war: Beide wurden praktisch von den Bodyguards getragen, waren weiß vor Schreck und einer Ohnmacht nahe.