Die Flucht misslang, am 23. Dezember wurde das Diktatoren-Ehepaar von Soldaten gefangen genommen und am 25 Dezember abgeurteilt. Das Kriegsgerichtsverfahren dauerte knappe 45 Minuten. Ceausescu wurde des Völkermordes mit mehr als 60.000 Toten, der Unterminierung der Staatsmacht durch die Organisation bewaffneter Aktionen gegen das Volk und der Unterminierung der nationalen Volkswirtschaft schuldig gesprochen. Das Diktatoren-Ehepaar wurde an die Wand gestellt und exekutiert.

Heute ist der Ort, an dem die Ceausescus erschossen wurden, ein beliebtes Touristenziel. Die düsteren Kasernen in der ehemaligen Militärbasis Targoviste 100 Kilometer nordwestlich von Bukarest wurden zum Museum umgebaut. Viele Rumänen und ausländische Besucher wollen die Wand sehen, an der der Diktator hingerichtet wurde. Auch die Eisenbetten, auf denen die Ceausescus ihre letzten drei Nächte verbrachten, sind ausgestellt. Ebenso wie die Tische der Richter und Anwälte wurde auch die provisorische Anklagebank, auf dem das Paar in seinen Wintermänteln saß, wieder an ihren ursprünglichen Platz gestellt. Auf einem Schwarz-Weiß-Fernseher sind die Aufnahmen des Prozesses und der Hinrichtung zu sehen, die im Dezember 1989 um die Welt gingen und auch Kritik an dem Eilverfahren hervorriefen.

In den Tagen vor der Aburteilung tobten auf den Straßen blutige Kämpfe, vor allem in der Hauptstadt Bukarest. Dort schoss zunächst die Armee auf das Volk, der erste tote Zivilist war am 21. Dezember zu beklagen. Später kämpfte die Armee gegen die Geheimpolizei Securitate, den gefürchteten und bis zuletzt loyalen Sicherheitsapparat des Diktators.

Am 22. Dezember eröffneten Securitate-Männer, die ihrem "Führer" Treue bis zuletzt geschworen hatten, im Stadtzentrum das Feuer auf Zivilisten. Das Militär schoss zurück, am "Platz der Republik" lagen Verletzte und Tote. Am 23. Dezember wurde in Bukarest weiter heftig gekämpft, die Bevölkerung blieb auf der Straße.

Zivilisten waren mit Kalaschnikows bewaffnet und versuchten, die Heckenschützen der Securitate auszuschalten. Die Schergen Ceausescus versteckten sich in Wohnungen und auf Dächern. Überall wurden Straßensperren errichtet. Besonders umkämpft war der Fernsehsender. Studenten verteidigten die Eingänge zu ihren Universitäten: "Wir haben keine Angst, wir sind stolz, für die Freiheit zu kämpfen und zu sterben", hieß es hier. In den Krankenhäusern, die von der Securitate beschossen wurden, waren allen Betten belegt, die Frauen brachten Matratzen, damit die Verwundeten nicht auf dem Boden liegen mussten. Insgesamt gab es 3000 Verletzte.

Am zweiten Tag der Kämpfe errichtet die Bevölkerung Gedenkstätten für die Toten auf den Straßen, die Leichenhallen füllen sich.

Panzerkolonnen der Armee rollten durch die Straßen, die Kämpfe mit der Securitate dauerten den ganzen 24. Dezember. Während das Militär die Führung im Kampf übernahm, blieb die Bevölkerung weiter auf den Straßen. Stündlich trafen neue Tote auf den Friedhöfen ein. Erst nach dem Tod Ceausescus kehrte Ruhe ein. Sein Tod habe den Kampf entschieden, hieß es. Die Armee setzte sofort Sondergerichte ein, um Securitate-Leute abzuurteilen. Der Hass der Bevölkerung auf die Polizei-Sondertruppe war schier grenzenlos. Fiel ein Geheimpolizist der wütenden Menge in die Hände, wurde er fallweise gelyncht.