Es ist ein historisch einzigartiger Rückzug, den der Herzog und die Herzogin von Sussex da angekündigt haben. Meghan und Harry wollen einen Großteil ihrer royalen Verpflichtungen aufgeben und finanziell unabhängig werden. Leben wollen sie künftig in Großbritannien und in den USA, Meghans Herkunftsland.

Nur: So einfach ist das nicht. Schließlich ist die britische Königsfamilie kein Club, aus dem man nach Belieben aussteigen kann. Die Royals sind mehr als nur berühmt, sie haben Pflichten zu erfüllen - immerhin leben sie (auch) auf Kosten der Steuerzahler. Dementsprechend fiel auch die offizielle Stellungnahme des Palastes aus. Die Gespräche mit dem Herzog und der Herzogin von Sussex seien in einem "frühen Stadium". Man verstehe den Wunsch nach Veränderung, "aber das sind komplizierte Angelegenheiten, deren Bearbeitung einige Zeit in Anspruch nehmen wird". Laut Insidern ist die Queen enttäuscht und verletzt, Charles und William sollen gar wutentbrannt sein. Offenbar haben Meghan und Harry niemanden, nicht einmal Queen Elizabeth II., in ihr Vorhaben eingeweiht. Dieses Vorgehen, Angelegenheiten auf eigene Weise zu regeln, sei der falsche Weg, sagte etwa der Ex-Pressesprecher der Queen Dickie Arbiter.

"Verwöhnteste Gören
der Geschichte"

Sorgen angeblich für "Bürgerkrieg" im Königshaus: Prinz Harry und Herzogin Meghan in London. - © afp/Adrian Dennis
Sorgen angeblich für "Bürgerkrieg" im Königshaus: Prinz Harry und Herzogin Meghan in London. - © afp/Adrian Dennis

Entscheidend für den Rückzug des Paares war wohl ihr Kampf gegen die Boulevardmedien. Meghan und Harry haben mehrere Zeitungen verklagt, darunter die "Mail on Sunday". Das Blatt hatte einen Brief Meghans an ihren Vater veröffentlicht. Harry reagierte allergisch, ihn erinnerte das "Mobbing" an den Umgang der Medien mit seiner Mutter Diana: "Ich habe meine Mutter verloren und muss nun mit ansehen, wie meine Frau Opfer derselben Mächte wird." Die Reaktionen dieser sogenannten Mächte auf die Rücktrittsankündigung waren geradezu hysterisch. "Megxit", titelte die "Sun" am Donnerstag in den gewohnten Riesenbuchstaben - und warf den "Sussexes" vor, einen "Bürgerkrieg" im Buckingham Palast angefacht zu haben.

"Feuert sie jetzt", forderte die "Daily Mail" auf ihrer Webseite. Man solle Meghan und Harry ihre Titel nehmen, bevor sie "die Monarchie zur Strecke bringen". Der Egotrip der beiden "verwöhntesten Gören der Geschichte", so Boulevard-Reporter Piers Morgan, gefährde den Ruf des Königshauses und die jahrzehntelangen Bemühungen der Queen. Wie viele wirft auch Morgan der Herzogin von Sussex vor, einen Keil zwischen Harry und seinen älteren Bruder William getrieben zu haben. In einem Interview hatte Harry gemeint, dass er sich mit William auseinandergelebt habe. Er liebe seinen Bruder zutiefst, so Harry, doch hätten sie "unterschiedliche Wege beschritten".