Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus verteidigt. Es gehe darum, "dass wir das Gesundheitssystem nicht überlasten", sagte Merkel am Mittwoch in Berlin. Ziel sei, die Ausbreitung des Virus und die Infizierungen zu verlangsamen.

Merkel warb um Verständnis für die Einschränkungen und rief zum Zusammenhalt auf: "Da sind unsere Solidarität, unsere Vernunft, unser Herz füreinander auf eine Probe gestellt", sagte sie. "Alle Maßnahmen, die wir machen, sind von allergrößter Bedeutung, weil sie uns Zeit geben", betonte die Kanzlerin.

Es handle sich um ein Virus, "das wir nicht ausreichend kennen, für das wir keine Impfung haben, für das wir keine Therapie haben". Merkel verwies darauf, dass Infektionen bei Älteren und Menschen mit Vorerkrankungen einen schwereren Verlauf haben könnten.

Prioritäten setzen

Es gehe darum, Prioritäten zu setzen, sagte Merkel mit Blick auf die eingeleiteten Maßnahmen. Wichtig sei, dass alle staatlichen Ebenen arbeiten und die medizinischen Möglichkeiten genutzt werden könnten. Es sei "nicht das zentrale Problem, ob ein Fußballspiel mit oder ohne Publikum stattfindet", fügte sie hinzu.

Die Kanzlerin verwies auf die Empfehlung der Regierung, Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern abzusagen. "Aber auch unterhalb dieser Schwelle kann man etwas tun und damit einen guten Beitrag leisten", betonte sie bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler.

Spahn sagte, er sei "froh", dass viele Bundesländer bereits die Grenze von tausend Teilnehmern für die Absage von Veranstaltungen umgesetzt hätten. Das bedeute aber nicht, dass alles darunter stattfinden sollte. "Gesundheit geht vor ökonomischen Fragen", betonte Spahn. Gleichwohl müssten die wirtschaftlichen Aspekte natürlich im Blick behalten werden.

Noch heute Liquiditätshilfen für deutsche Firmen

Das Coronavirus geht an der Wirtschaft nicht spurlos vorbei, sagt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihre Regierung habe daher schnell gehandelt. Sie werde noch in dieser Woche Liquiditätshilfen für Firmen bereitstellen, insbesondere über die staatliche Förderbank KfW.

Die Staats- und Regierungschefs der EU hätten vereinbart, sowohl den Stabilitäts- und Wachstumspakt wie auch die Beihilferegeln flexibel zu halten.

Indes hat der deutsche Wirtschaftsminister angesichts der Coronakrise Wirtschaftsforscher sowie Vertreter der Bundesbank zu Beratungen eingeladen. Das Treffen ist am 24. März geplant.

Die Coronaepidemie sei eine "wirtschaftspolitische Herausforderung", heißt es in der Einladung Altmaiers. "Zunächst brauchen wir ein klares Bild über Szenarien der wirtschaftlichen Auswirkungen. Dann müssen wir bereit sein, entschlossen zu handeln." Eine "nüchterne Analyse und Kommunikation" diene dazu, die Erwartungen der Wirtschaftsteilnehmer und der Bürger zu stabilisieren.

Eingeladen sind etwa "Wirtschaftsweise" wie Lars Feld und Achim Truger, daneben die Vizepräsidentin der Bundesbank, Claudia Buch, sowie Ifo-Präsdient Clemens Fuest und Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel.

Fuest und der Österreicher Felbermayr hatten zusammen mit anderen Ökonomen die deutsche Regierung am Mittwoch aufgefordert, entschlossener zu handeln, um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus einzudämmen. (apa, dpa, reuters, afp)