Der italienische Premier Giuseppe Conte hat am Mittwoch die Schließung in ganz Italien aller Geschäfte, Restaurant, Kantinen und andere Lokale angekündigt. Ausnahmen sind Supermärkte und Apotheken. Offen bleiben Banken, Postfilialen, Unternehmen und das öffentliche Transportsystem, kündigte Conte bei einer Ansprache via Facebook an.

Unternehmen sollen wenn möglich Home-Office fördern. Mitarbeiter sollen verstärkt auf Urlaub gestellt werden. Conte ernannte den Manager Domenico Arcuri zum Sonderkommissar, der sich um die Koordinierung des Gesundheitswesens kümmern soll.

"Niemand darf denken, dass wir schon in den nächsten Tagen die Auswirkungen der strengen Maßnahmen sehen werden, die wir erst vor einigen Tagen ergriffen haben. Wenn die Zahl der Infektionen nicht sofort zurückgeht, bedeutet dies aber nicht, dass sie nicht greifen", mahnte Conte. Er dankte der italienischen Bevölkerung für die Kooperation im Kampf gegen die Epidemie. "Jetzt müssen wir aber einen weiteren Schritt zur Eingrenzung der Infektion unternehmen. Gesundheit hat höchste Priorität", sagte der Premier. Aus Regierungskreisen hieß es am späten Mittwochabend, dass die drastischen Maßnahmen ab Donnerstag und bis mindestens 25. März gelten sollten.

Mutmaßlicher Mörder unter flüchtigen Gefangenen

Nach den gewaltsamen Protesten gegen Coronavirus-Maßnahmen in italienischen Gefängnissen fahndet Italiens Polizei nach zehn flüchtigen Häftlingen. Die Ausbrecher gehörten zu einer Gruppe von 72 Häftlingen, die am Montag aus einem Gefängnis nahe der süditalienischen Stadt Foggia entkommen seien, teilte das italienische Justizministerium am Mittwoch mit.

Unter ihnen befindet sich demnach ein mutmaßlicher Mörder sowie mehrere Männer mit Verbindungen zum organisierten Verbrechen.

Um Häftlinge vor Infektionen zu schützen, hatten die Behörden zuletzt Besuche im Gefängnis verboten und Freigänge eingeschränkt. Die Maßnahmen stießen auf vehementen Widerstand. In mehr als 20 Gefängnissen in Italien - unter anderem in Rom, Mailand, Neapel und Bari - rebellierten seit Sonntag mehr als 6000 Gefangene.

13 Häftlinge kamen dabei laut Justizministerium ums Leben. Die meisten von ihnen starben demnach an einer Überdosis, nachdem sie die Krankenstationen der Gefängnisse überfallen hatten. Rund 40 Gefängniswachen wurden bei den Ausschreitungen verletzt.

Nach Angaben des Justizministeriums werden nun landesweit rund 100.000 Atemschutzmasken in italienischen Gefängnissen verteilt, zudem sollen Häftlinge auf das Coronavirus getestet werden, die zuvor in andere Haftanstalten verlegt worden waren. (apa/afp)