Grenzschließungen, Grenzkontrollen, Grenzstaus: Die Maßnahmen, die europäische Länder treffen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, werden immer rigider. Vermehrt riegeln sich die Staaten ab. Zu den Einreiseverboten auf Flughäfen kommen nun auch Absperrungen auf dem Landweg hinzu. Österreich beispielsweise hat bereits den Grenzverkehr zu und von Italien stark eingeschränkt. Zuvor hatte es auch hier zunächst einmal Restriktionen bei Flügen - auch über Europa hinaus - gegeben. So kappte die Regierung in der Vorwoche die Flugverbindungen zum Iran sowie nach Südkorea, Mailand und Bologna, parallel dazu wurden Gesundheitschecks an den Grenzen zu Italien eingeführt. Danach folgten eine volle Reisewarnung und schließlich Grenzkontrollen.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Diese hat übrigens auch Slowenien eingeführt, an sechs Punkten. Nur dort ist der Grenzübertritt von Italien möglich; kleinere Übergänge wurden geschlossen.

In Österreich ließ das Innenministerium mittlerweile den Verkehr an 47 Übergängen zu Italien einstellen, darunter jene bei Arnoldstein, Nassfeld und Plöckenpass. Der Übergang bei Thörl-Maglern, in Kärnten, ist nur zwischen sechs Uhr Früh und neun Uhr abends geöffnet. In Tirol wiederum wurde am viel befahrenen Brenner das in der Flüchtlingskrise errichtete Grenzmanagement wieder hochgefahren. Auf der Autobahn wurde der gesamte Verkehr aus Italien nach dem Grenztunnel ausgeleitet und auf den Parkplatz der dortigen Raststätte umgeleitet, wo dann die Kontrollen stattfanden.

Unmut in Frächterbranche

Nach Slowenien ist der Grenzübertritt von Italien nur an sechs Kontrollpunkten möglich. Im Bild: Temperaturmessung beim Übergang bei Nova Gorica. - © afp/Jure Makovec
Nach Slowenien ist der Grenzübertritt von Italien nur an sechs Kontrollpunkten möglich. Im Bild: Temperaturmessung beim Übergang bei Nova Gorica. - © afp/Jure Makovec

Knapp 5000 Personen wurden dort sowie am Reschenpass und in Sillian bis Donnerstagfrüh kontrolliert, gut 1200 Gesundheitschecks durchgeführt. Einen Verdachtsfall habe es nicht gegeben, teilten Polizei und Land Tirol der Austria Presseagentur mit. Allerdings gab es 71 Abweisungen nach Italien - in Fällen, in denen etwa keine Gesundheitszertifikate vorlegt hatten werden können.

Generell gilt, dass nur drei Personengruppen passieren dürfen. Dazu gehören Österreicher oder Menschen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz Österreich, die heimreisen wollen und sich freiwillig in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Außerdem Personen, die ein ärztliches Gesundheitszeugnis, das nicht älter ist als vier Tage, mit sich führen, sowie lediglich Durchreisende, die sich verpflichten, keinen Halt in Österreich einzulegen.

Lkw-Fahrer haben mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen, die sich aus den Grenzkontrollen ergeben: mit Staus. Daher hat sich Tirol dazu entschieden, am Samstag das vorgezogene Wochenendfahrverbot außer Kraft zu setzen. Das gilt für alle durchfahrenden Schwerfahrzeuge, die ein Fahrziel in Italien oder Deutschland haben. Damit tritt das reguläre Wochenendfahrverbot in Kraft, von Samstag 15 Uhr bis Sonntag 22 Uhr. Dennoch hat der italienische Frächterverband Conftrasporto schon vor "unkontrollierten Protestaktionen" der Lkw-Fahrer gewarnt. Kritik am Vorgehen der Österreicher kam ebenfalls von der italienischen Regierung.

Auf noch drastischere Maßnahmen setzt Tschechien. Die Regierung in Prag lässt die Grenzen für Reisende aus gleich 15 sogenannten Risiko-Ländern dichtmachen. Zu diesen zählt sie neben China, Südkorea, Italien, Frankreich und Großbritannien auch Österreich und Deutschland.

Auch die Slowakei verhängte ein Einreiseverbot für etliche Ausländer. Ausgenommen sind Personen aus dem benachbarten Polen. Außerdem kündigte die Regierung die Schließung aller internationalen Flughäfen an. Der internationale Bus- und Zugverkehr in das Land soll ebenfalls gestoppt werden.

Ausgehebelte Reisefreiheit

Damit werden die Schengen-Regeln, die Reisen ohne Grenzkontrollen im gleichnamigen Raum ermöglichen, in etlichen Ländern ausgesetzt - auch in der Schweiz, die diesem Verbund ebenfalls angehört. Die Grenzen zu Italien wurden dort zwar noch nicht geschlossen, doch gibt es nun Kontrollen und Stichproben an den Übergängen.

Dass das Schengen-Abkommen - auch für den Warentransport - seine Gültigkeit verliert, kritisierte eben Italien in Zusammenhang mit den österreichischen Maßnahmen. Und andere Länder versuchten sowieso, so lange wie möglich die Reisefreiheit aufrechtzuerhalten. Deutschland etwa zeigte sich zögerlich und hatte noch am Donnerstag nicht die Absicht geäußert, Kontrollen einzuführen.

Diese wünschte sich innerhalb des Schengen-Raums auch Frankreich zunächst nicht, obwohl es an Italien grenzt. Auch an den Flughäfen wurde kaum kontrolliert. Allerdings hatten Reisende aus gefährdeten Ländern wie China, Iran und Italien zu Hause zu bleiben.

Großbritannien sah am Donnerstag auch keinen Bedarf für Grenzschließungen. Es gehörte zwar nie dem Schengen-Raum an, doch war in den Brexit-Debatten immer wieder die Rede von der Kontrolle über die Grenzen des Landes. Diese sollen jedenfalls nicht wegen des Coronavirus geschlossen werden, befand die Regierung in London.(apa/czar)