Rom. "Ich habe Angst, dass es wie in Italien wird", sagt eine österreichische Ärztin. Es ist das Land mit den meisten Coronavirus-Infektionen außerhalb Chinas, mit mehr als 1800 Todesfällen. 18-Stunden-Schichten, überfüllte Spitäler, Entscheidungen wie in Kriegszeiten, einsam sterbende Menschen, Ärzte, Sanitäter und Pflegepersonal an der äußersten Grenze ihrer Möglichkeiten: Die Berichte aus Italien, in Blogs, via Facebook, per Telefon mit Medien geteilt, nähren Sorgen um die Belastbarkeit der Gesundheitssysteme auch in anderen europäischen Ländern.

In den norditalienischen Regionen wird seit Tagen vor Engpässen bei Krankenbetten und Beatmungsgeräten gewarnt. Die Situation in den Gebieten um die Finanzmetropole Mailand werde "immer schlechter", sagte der Gouverneur der Region Lombardei, Attilio Fontana, dem TV-Sender Sky TG24 noch am Sonntag. "Wir sind dem Punkt nahe, an dem wir nicht mehr in der Lage sein werden, Menschen wiederzubeleben, weil wir keine Betten auf der Intensivstation mehr haben", erklärte er. In der Lombardei wurden in den vergangenen drei Wochen mehr Todesfälle registriert als in ganz Europa.

Ausbreitung wird langsamer

Allerdings hellte Fontana am Montag das Bild etwas auf. Er sprach von ersten Anzeichen für eine langsamere Ausbreitung des Coronavirus. Der Anstieg der infizierten Fälle sei nicht so stark wie in den zwei, drei Tagen zuvor. Doch die Auswirkungen auf die im Gesundheitswesen arbeitenden Menschen sind jetzt schon massiv. Mehr als 2000 Ärzte, Krankenpfleger und andere Sanitäter haben sich seit Beginn der Krise infiziert, berichtete Carlo Palermo, Sprecher des Ärzteverbands Anaao-Assomed, laut der Nachrichtenagentur ANSA.

Die Regierung in Rom will mit zusätzlichem Geld aushelfen. 1,15 Milliarden Euro sollen für das öffentliche Gesundheitssystem zur Verfügung gestellt werden - unter anderem für Überstunden für Sanitäter. Außerdem sind die Regionen aufgerufen, die Zahl der Plätze auf den Intensivstationen um 50 Prozent aufzustocken.

Aus Süditalien kam schon der Ruf nach Unterstützung. Dort geht die Angst vor einer zunehmenden Zahl an Infektionen um, nachdem vor dem Inkrafttreten des Reiseverbots vor einer Woche viele im Norden lebende Süditaliener in ihre Heimatregionen zurückgekehrt sind.(reu/apa)