Die Zahl der Coronavirus-Todesopfer und der Infizierten in Italien ist wieder sprunghaft angestiegen. 627 Todesopfer mehr als am Vortag wurden am Freitag in Italien gemeldet - ein Rekordzuwachs seit Beginn der Epidemie. Die Zahl der Todesopfer stieg damit auf 4.032 Personen, teilte der Zivilschutz in Rom mit.

Italien hatte am Donnerstag insgesamt mehr Todesfälle als China gemeldet und ist damit das Land mit den meisten Toten wegen des Coronavirus auf der Welt. In der Lombardei, die von der Coronavirus-Epidemie am stärksten betroffene Region Italiens, stieg die Zahl der Todesopfer auf 2.549, das sind rund 381 mehr als am Donnerstag. Die Zahl der Infizierten lag in der Lombardei nun bei 22.264.

Akuteste Phase der Epidemie könnte noch zwei Wochen andauern

"Wir erleben weiterhin kontinuierliche Steigerungen bei der Zahl der Todesopfer und der Infizierten", sagte der lombardische Gesundheitsbeauftragte Giulio Gallera. Vor genau einem Monat - am 20. Februar - sei der erste Covid-19-Infektionsfall in der norditalienischen Region gemeldet worden. "In einem Monat hat sich unser Leben tiefgreifend geändert. Wir Bürger haben einige Zeit gebraucht, um zu begreifen, was man gegen die Epidemie tun musste, während das Gesundheitswesen sofort mit unglaublicher Stärke reagiert hat", schrieb Gallera auf Facebook.

Zivilschutzchef Angelo Borrelli rief die Italiener zu Geduld auf. Der Höhepunkt der Epidemie sei noch nicht erreicht. Noch zwei Wochen könnte es dauern, bis die akuteste Phase der Seuche vorbei sei. Außenminister Luigi Di Maio bekräftigte seinen Aufruf an die Italiener, zu Hause zu bleiben. "Ansonsten sind wir gezwungen, noch drastischere Maßnahmen einzuführen", drohte Di Maio.

Weitere Einschränkungen in Kürze möglich

Es wird erwartet, dass die Regierung in Kürze die Ausgangssperre verschärft, wie es der lombardische Präsident Attilio Fontana mit Nachdruck fordert. In den kommenden 24 bis 48 Stunden seien neue Einschränkungen möglich, sagte der für die Regionen zuständige Minister Francesco Boccia. Unter anderem nannte er die Möglichkeit, alle Aktivitäten im Freien zu verbieten.

Die Polizei in Rom wird ab Samstag Straßensperren errrichten und alle Fahrzeuge auf den Straßen der Stadt kontrollieren. Die Autos werden nicht mehr nur stichprobenartig wie derzeit kontrolliert. Damit will die Polizei sicher sein, dass nur Personen aus beruflichen, oder dringenden Gründen mit ihrem Fahrzeug in der Stadt unterwegs sind. Auch Personen zu Fuß sollen in Rom verstärkt kontrolliert werden, hieß es in einer Anordnung der römischen Polizei. Der Zugang zu weiten Teilen der Küste von Pomezia bis Anzio südlich von Rom wurde gesperrt. Die Maßnahmen wurden von der römischen Bürgermeisterin Virginia Raggi aus Sorge ergriffen, die sonnenhungrigen Römer könnten das schöne Wetter am Wochenende für Ausflüge nutzen.

Auch die Lombardei will noch schärfere Maßnahmen ergreifen, um die Zahl der Menschen auf den Straßen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu reduzieren. Der lombardische Präsident sprach sich für einen kompletten Stopp von Sport im Freien aus. Alle Büros und Baustellen sollen geschlossen werden, um eine Verbreitung der Epidemie zu verhindern. Auch der öffentliche Verkehr soll weiterhin heruntergefahren werden.

114 Soldaten sind in Mailand im Einsatz, um zu kontrollieren, dass die Ausgangssperre eingehalten wird. Die Zahl der Militärs sei jedoch für die Bedürfnisse der lombardischen Metropole unzulänglich, beklagte Fontana.

Erster Todesfall in Serbien

Im Burgenland wurde am Freitagabend der erste Coronavirus-Tote gemeldet. Ebenso in Serbien. Die Zahl der Infizierten ist in dem Land bis 18.00 Uhr auf 135 angestiegen. Die Regierung hat unterdessen weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie beschlossen. Ab Samstag, 20.00 Uhr, wird der städtische öffentliche Verkehr völlig eingestellt.

Ab Sonntagabend werden auch alle Cafes, Restaurants und Einkaufszentrums bis auf Weiteres geschlossen, kündigte bei einer Pressekonferenz Ministerpräsidentin Ana Brnabic mit.

Unterdessen hat Bulgarien die Freizügigkeit der Menschen im Lande weiter begrenzt. Damit wurden die seit bereits einer Woche geltenden Maßnahmen eines Ausnahmezustands verschärft. Wie Gesundheitsminister Kiril Ananiew am Freitag anordnete, dürfen die Bulgaren von Samstag an die Hauptstadt Sofia und anderen Regionalstädte ohne triftigen Grund nicht mehr verlassen. Dies sei etwa die Fahrt zum Arbeitsplatz, zum Arzt oder Rückkehr nach Hause, erläuterte der Minister.

In dem EU-Land müssen nun auch Besuche von Parkanlagen, Stadtgärten, Sport- und Kinderspielplätzen eingestellt werden. Um Senioren vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus besser zu schützen, dürfen Menschen unter 60 Jahren Lebensmittelläden und Apotheken zwei Stunden lang am Morgen nicht besuchen - die Älteren sollen dann nur unter sich einkaufen. (apa)