Als wäre die Corona-Krise nicht genug, haben am Sonntag zwei Erdbeben die kroatische Hauptstadt Zagreb erschüttert. Sie seien die stärksten seit 140 Jahren gewesen. Gemessen wurden zwei Erdstöße der Stärke 5,3 und 5,0 in sieben beziehungsweise zehn Kilometern Entfernung nördlich der Stadt. Dutzende Menschen erlitten Verletzungen, berichtete das Nachrichtenportal "24sata.hr". Ein 15jähriges Mädchen befindet sich in einem kritischen Zustand, hieß es aus dem Krankenhaus. Schwere Schäden sind zu beklagen. Das Beben war unter anderem auch in Graz zu spüren.

"Es hat über zehn Sekunden gedauert", berichtete ein Zeuge. "Es war bei weitem das Stärkste, das ich je gefühlt habe." Es habe mehrere Nachbeben gegeben. Ein Reuters-Reporter vor Ort sagte, Menschen seien aus ihren Häusern auf die Straße geflohen.Medien zufolge fielen Ziegel von den Dächern, Fassaden bekamen Risse, Mauern stürzten ein und Trümmer beschädigten parkende Autos. Auch die Kathedrale im Zentrum, das Wahrzeichen der Stadt, wurde beschädigt - eine der beiden Turmspitzen fiel aus mehr als 100 Metern Höhe zu Boden.

In Österreich deutlich zu spüren

Das European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) gab die Stärke des ersten Bebens um 6.24 Uhr mit 5,3, die des zweiten Bebens um 7.01 Uhr mit 5,0 an. Die Zentren der beiden Beben lagen sieben beziehungsweise zehn Kilometer nördlich von Zagreb.

In Österreich sei nicht mit Gebäudeschäden zu rechnen, betonte der Erbebendienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien. Die Bevölkerung in der Steiermark und im südöstlichen Teil Kärntens habe die Erschütterungen "großräumig deutlich verspürt". Auch in weiter entfernten Städten wie Villach, Salzburg, Linz und Wien sei das Beben vor allem in höheren Stockwerken wahrgenommen worden.

AKW Krsko weiter in Vollbetrieb

Das in Slowenien gelegene Atomkraftwerk Krsko, das sich etwa 50 Kilometer nordöstlich von Zagreb befindet, blieb von dem Erdbeben unbetroffen. "Das Atomkraftwerk funktioniert trotz des Erdbebens sicher", teilte der Betreiber des von Slowenien und Kroatien gemeinsamen betriebenen AKW mit.

In der Anlage, die weiterhin mit voller Kraft in Betrieb bleibe, werden präventive Checks durchgeführt, hieß es weiter. Das slowenische Infrastrukturministerium teilte unterdessen via Twitter mit, dass die Experten im AKW Krsko Analysen gemäß Protokolle durchführen und es bisher nicht erforderlich gewesen sei, die Anlage abzuschalten. "Es gibt keine Konsequenzen oder Gründe für eine Abschaltung", hieß es.(apa)