In Italien mehren sich die Berichte von über Hundertjährigen, die nach einer Coronavirus-Infektion geheilt aus dem Krankenhaus entlassen werden. Eine 102-jährige Frau, die in einem Seniorenheim in Genua lebt, konnte das Spital verlassen, in dem sie vor zwei Wochen wegen Herzbeschwerden eingeliefert worden war. Dort wurde sie positiv auf das Coronavirus getestet.

"Sie ist ohne Covid-19-Therapien genesen. Wir können uns das nicht erklären. Ihre Genesung ist für uns ein Hoffnungsschimmer im Sturm, den wir erleben", sagte Raffaele De Palma, Leiter der Immunologie-Abteilung des Krankenhauses "San Martino" in Genua, im Gespräch mit der Tageszeitung "Secolo XIX".

Diese Woche war bereits ein Hundertjähriger nach einer Coronavirus-Infektion geheilt aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der 1919 geborene Mann war am Mittwochabend aus dem Krankenhaus von Rimini entlassen worden, sagte die Vize-Bürgermeisterin der Adria-Stadt, Gloria Lisi.

Epidemiekurve lässt nach

Italien ist mit mehr als 8000 Todesfällen aufgrund der Coronavirus-Pandemie das in Europa am härtesten getroffene Land. Die Sterblichkeitsrate ist unter über 80-Jährigen besonders hoch.

Aber der Anstieg bei der Zahl der Coronavirus-Fälle in Italien war zuletzt geringer als in den vergangenen Tagen. "Die Epidemiekurve gibt leicht nach", bestätigte der Chef der nationalen Gesundheitsbehörde ISS, Silvio Brusaferro, bei einer Pressekonferenz am Freitag in Rom.

"Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass ein geringeres Wachstum der Infektionszahlen zu einer Auflockerung der Vorbeugungsmaßnahmen führen kann. Wir sind mit einer Herausforderung konfrontiert, die man zusammen gewinnt", sagte Brusaferro. Es gebe klare Zeichen, dass die von der Regierung erlassenen Vorsichtsmaßnahmen greifen, daran müsse man sich strikt halten.

Der Experte betonte, dass die Mehrheit der Infizierten männlich und durchschnittlich über 60 Jahre alt sei. 80 Prozent der Todesopfer seien über 70 Jahre alt. Die Sterblichkeitsrate unter den Infizierten wachse bei zunehmendem Alter. 50 Prozent der Todesopfer waren von drei oder mehr Krankheiten bereits belastet.

Es gebe klare Unterschiede zwischen italienischen Regionen in Sachen Verbreitung der Epidemie. Dies bedeute jedoch nicht, dass in Regionen mit geringerer Infektionszahl die Vorbeugungsmaßnahmen aufgelockert werden können, sagte Brusaferro.

Massimo Galli, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten des Mailänder Krankenhauses "Sacco", berichtete, dass sich das Coronavirus in der Lombardei bereits Ende Jänner verbreitet habe, also vier Wochen bevor die Epidemie in der Region explodiert sei. Das Coronavirus soll laut den Experten aus Bayern in die Lombardei gelangt sein. (apa)