Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht einen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Todesrate in Europa und dem Coronavirus. Insgesamt seien in 24 europäischen Ländern etwa 159.000 Menschen mehr seit Anfang März gestorben als es in einem normalen Jahr zu erwarten gewesen wäre. Ein "signifikanter Anteil" davon habe mit der durch das Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19 zu tun. "Wir haben klar gesehen, dass der Höhepunkt der Todesfälle mit dem Höhepunkt der Pandemie zusammenhängt", sagt Katie Smallwood vom Notfallteam der WHO.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Zusammenhang in schwer von der Corona-Krise betroffenen Ländern. So sind etwa in Spanien zwischen dem 1. März und dem 12. Mai insgesamt 43.295 Menschen mehr gestorben als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zeitung "El Pais" hatte offizielle Sterbedaten ausgewertet und kam zu dem Schluss, dass vermutlich Tausende Menschen mehr an oder mit Covid-19 gestorben sind, als die offizielle Statistik bisher auswies. Das liege daran, dass in Spanien lediglich jene 27.302 Fälle als Corona-Tote gezählt wurden, bei denen es einen positiven Test gegeben habe. Die anderen zusätzlichen 15.993 Toten seien offiziell nicht als Covid-19-Fälle ausgewiesen. Ein großer Teil von ihnen sei aber vermutlich auf die Pandemie zurückzuführen, schrieb die Zeitung weiter. Ein Hinweis darauf ist auch, dass die Übersterblichkeit in jenen Regionen, in denen die Corona-Pandemie am schlimmsten wütete, mit Abstand am höchsten ist.

Übersterblichkeit auch in Österreich

Die erhöhte Sterblichkeit vor allem älterer Menschen lässt sich in Spanien sogar an den monatlichen Pensionszahlungen ablesen. Zum ersten Mal sanken die Zahlungen im Mai leicht gegenüber denen vom April. Die Zahl der Rentenempfänger ging nach Angaben des Sozialministeriums um 38.508 zurück. Als Grund nannte das Ministerium nicht nur eine langsamere Verwaltung, sondern auch "die Toten infolge des Coronavirus". In Spanien lag die Übersterblichkeit bei 52 Prozent, in etwa so hoch wie in Italien. In Österreich hat es etwa in der Osterwoche laut Statistik Austria um gut 14 Prozent mehr Todesfälle gegeben als im Schnitt der vier Jahre davor.

In Europa ist Großbritannien das Land mit den meisten Corona-Toten. Bis Mitte Mai starben dort laut dem nationalen Statistikamt 46.000 Menschen an den Folgen einer Infektion. Doch laut "Financial Times" hat Großbritannien, wenn man die Übersterblichkeit in Betracht zieht, sogar weltweit die die höchste Corona-Sterblichkeitsrate. Nach jüngsten Zahlen gab es seit Mitte März 60.000 mehr Tote als in den Jahren davor. Demnach übertrifft die britische Rate auch jene der USA.