Bei neuen Anti-Rassismus-Protesten in London ist es am Samstag zu Zusammenstößen mit rechtsgerichteten Gegendemonstranten gekommen. Auf dem Trafalgar Square im Stadtzentrum gerieten zwei Gruppen von jeweils etwa 100 Personen aneinander und wurden von der Polizei getrennt. Die einen skandierten "Black lives matter" ("Schwarze Leben zählen"), die anderen riefen rassistische Bemerkungen. Teilweise kam es zu Rempeleien. Flaschen und Dosen wurden geworfen, Feuerwerkskörper gezündet. Bereitschaftspolizei mit Hunden und Pferden marschierte auf. Nach Angaben der Behörden brachten manche Teilnehmer Waffen zu den Demonstrationen mit. Die Protestzüge beider Gruppierungen sollten auf Geheiß der Polizei um 18.00 Uhr (MESZ) enden.

Im Zentrum von Paris kamen Tausende von Menschen zusammen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren. Die Polizei setzte Tränengas ein, woraufhin sich die Menge nach Auskunft eines Reuters-Augenzeugen widerstandslos auflöste. Die Demonstration war nicht polizeilich genehmigt.

Die Tötung des Afroamerikaners George Floyd vor knapp drei Wochen bei einem Polizeieinsatz in den USA hat weltweit eine Protestwelle gegen Rassismus losgetreten. In Großbritannien gerieten dabei historische Persönlichkeiten ins Visier, die für die koloniale Vergangenheit des Königreichs stehen. So wurden zuletzt Denkmäler attackiert und als Konsequenz mit Brettern vernagelt. In Bristol wurde die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston vergangenes Wochenende von Demonstranten ins Hafenbecken geworfen. Außerdem wurde ein Denkmal von Winston Churchill, der im Zweiten Weltkrieg Regierungschef Großbritanniens war, mit einem Graffiti besprüht, in dem er als Rassist bezeichnet wird. Premierminister Boris Johnson kritisierte dies als "absurd und beschämend".

Auf dem Parliament Square versammelten sich Hunderte von Menschen in Fußballtrikots, die "England, England" riefen und sich als Patrioten bezeichneten. Sie bewachten dort das Londoner Kenotaph, ein Denkmal zu Ehren der in der Fremde gefallenen Soldaten. "Meine Kultur wird angegriffen", sagte der Demonstrant David Allen. "Warum sollte Churchill zugebrettert werden? Warum wird das Kenotaph angegriffen? Das ist nicht in Ordnung."

Auch in anderen englischen Städten gab es Demonstrationen. Viele Teilnehmer trugen Gesichtsmasken zum Schutz gegen das Coronavirus. In Reading schwenkten Protestierende ein Plakat mit der Aufschrift "Schwarz zu sein ist kein Verbrechen".(reuters)