Wegen rasant gestiegener Coronavirus-Fallzahlen soll in Bulgarien der Mund-Nasen-Schutz in geschlossenen gemeinschaftlichen Räumen wieder Pflicht werden. In Shoppingmalls, Geschäfte, Kinos und Theatern müssen ab 23. Juni wieder Schutzmasken getragen werden, wie Gesundheitsminister Kiril Ananiew am Montag nach einem Treffen des Corona-Krisenstabs mit Regierungschef Boiko Borissow erläuterte.

Auf Anregung der Regierung in Sofia, die auf eine höhere Disziplin der Menschen gesetzt hatte, war die Maskenpflicht Mitte Juni entfallen. Die Bulgaren aber beachteten kaum die noch verbliebenen Distanz- und Desinfektionsempfehlungen.

Kleines Land mit knapp 4000 Fällen

Das ärmste EU-Land konnte mit seinen knapp sieben Millionen Einwohnern dank frühzeitig eingeführter Corona-Schutzmaßnahmen die Fallzahlen bis Ende April unter 1.500 halten, so dass das Gesundheitssystem funktionsfähig blieb. Doch nach mehreren Festtagen und Lockerungen der Einschränkungen im Mai und Juni stiegen die nachgewiesenen Coronavirus-Fälle insbesondere in der vergangenen Woche rasant auf nun 3.905. Soweit starben 199 Menschen.

Nachdem ein prominentes Führungsmitglied der oppositionellen Sozialisten, Janaki Stoilow, positiv auf das Coronavirus getestet wurde, sollen jetzt alle Teilnehmer an einer Parteitagung getestet werden. Die Maskenpflicht in Bulgariens öffentlichen Verkehrsmitteln, Apotheken und Krankenhäusern soll weiter in Kraft bleiben. Bei Sportevents müssen von Dienstag an wieder strengere Corona-Regeln eingehalten werden. Bulgarien wolle auch die Kontrollen verschärfen. Diese hatte es in der vergangenen Woche - etwa im öffentlichen Nahverkehr - kaum gegeben.

Im Ausland gebuchte Bulgarienreisen wurden wegen der schnell gestiegenen Corona-Zahlen bulgarischen Medien zufolge abgesagt. Das gilt auch für viele Flüge zur bulgarischen Schwarzmeerküste. Die Betreiber großer Hotels in den Badeorten sind verunsichert. Viele haben noch nicht entschieden, ob und wann sie wieder öffnen. In dem Urlaubsland soll die Sommersaison für ausländische Feriengäste am 1. Juli beginnen. (apa,dpa)