Der unter Korruptionsverdacht stehende spanische Ex-König Juan Carlos hat Spanien verlassen. Das berichtete die Zeitung "La Vanguardia" am Dienstag. Der 82-Jährige sei am Montagmorgen mit dem Auto nach Portugal gefahren und von dort in die Dominikanische Republik geflogen, hieß es. Er wolle dort einige Wochen bei einer Familie bleiben, die ihr Vermögen mit Zuckerrohr-Plantagen gemacht habe. Danach wolle er sich nach einem neuen Ziel umschauen.

Die Einwanderungsbehörde des Karibikstaates teilte am Dienstagabend jedoch mit, Juan Carlos sei "nicht in das Staatsgebiet eingereist". Das Außenministerium der Dominikanischen Republik erklärte, es habe "keine Informationen", dass sich der Exkönig dort aufhalten könnte.

Mehrere Medien hatten zuvor spekuliert, der ehemalige König könnte sich im portugiesischen Ferienort Cascais aufhalten, wo er einen Teil seiner Kindheit verbracht hatte.

Das Königshaus hatte am Montag bekannt gegeben,von Juan Carlos schriftlich über seinen Entschluss, das Land zu verlassen, informiert worden zu sein. Der Brief war an seinen Sohn, König Felipe VI., adressiert. Damit gibt der "rey emérito", der emeritierte König, erstmals nach 58 Jahren seine Residenz im königlichen Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid auf.

">"Aus der Überzeugung heraus, dem spanischen Volk, seinen Institutionen und Dir als König am besten zu dienen, informiere ich Dich über meine Entscheidung, in dieser Zeit ins Exil außerhalb Spaniens zu gehen", zitierte der Königspalast in Madrid aus dem Schreiben. Felipe VI. habe die Entscheidung seines Vaters akzeptiert und sich bei ihm bedankt.

Ermittlungsverfahren wegen Korruption seit Juni

Der Oberste Gerichtshof Spaniens hatte im Juni ein Ermittlungsverfahren zur Verwicklung des ehemaligen Monarchen in eine mutmaßliche Korruptionsaffäre eingeleitet. Dabei geht es um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium. In der sogenannten "Affäre um den Wüsten-Zug" ermitteln die für Korruption und Wirtschaftsdelikte zuständigen Behörden schon seit 2018. Im Jahr 2008 soll Juan Carlos Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen US-Dollar (88,26 Millionen Euro) aus Saudi-Arabien kassiert haben. Zudem hatte seine ehemalige Geliebte Corinna zu Sayn-Wittgenstein angegeben, der König habe im Zusammenhang mit dem 6,7 Milliarden Euro schweren Schnellbahn-Projekt eine Kommission bekommen. Diese Angaben hatten 2018 die spanische Justiz auf den Plan gerufen.

Für die vier Jahrzehnte, die er ab 1975 König und Staatsoberhaupt von Spanien war genießt Juan Carlos Immunität. Nach seinem Thronverzicht zugunsten seines Sohnes Felipe VI. hat der heute 82-Jährige zwar noch Sonderrechte, er kann aber vom Obersten Gericht auf die Anklagebank gesetzt werden. (afp/dpa/apa)