Antike Kostbarkeiten, Nazi-Gold oder Alltagsgegenstände aus vergangenen Jahrhunderten: In vielen Ländern Europas suchen Amateure und Halbprofessionelle nach verborgenen Schätzen. Geleitet werden die Hobby-Sucher vor allem von Gerüchten und Legenden; an Plätzen mit historischen Ereignissen sind schließlich oft die Profis am Werk.

Wie sich eine solche Legende auswirken kann, zeigt etwa ein Fall des regelrechten Goldrausches in Polen. Dort kursieren seit den 1970er Jahren Gerüchte um einen Panzerzug, den die Nationalsozialisten in einem Stollen versteckten, als sich die Rote Armee 1945 näherte. Die Waggons sollen voll sein mit geraubtem Gold, wertvollen Kunstwerken und Industrieschätzen. Einen neuen Höhepunkt erfuhr die Legende, als 2015 die beiden Hobbyarchäologen Piotr Koper und Andreas Richter behaupteten, sie hätten den Zug nahe der Stadt Walbrzych geortet. Radaraufnahmen zeigten angeblich mehrere Waggons in neun Meter Tiefe.

Historiker waren zwar skeptisch, die Anwohner rund um den Berg aber begeistert. Nachdem Koper und Richter einige Monate auf die nötigen Genehmigungen gewartet hatten, begannen sie auf eigene Kosten, nach dem Schatz zu suchen. Vergeblich, wie sich herausstellte: Bei den vermeintlichen Waggons handelte es sich um eine Felsformation. Den Bewohnern von Walbrzych konnte es egal sein, sie profitierten dennoch: Die Region wurde zum Magneten. Der Tourismus der Stadt verzeichnete im Vergleich zum Vorjahr ein Einnahmen-Plus von 44 Prozent.

Seit vergangenem Jahr sind polnische Schatzsucher mit einem anderen Nazi-Schatz beschäftigt. Angeblich soll das Tagebuch eines SS-Mannes preisgeben, dass an elf Orten in dem an Deutschland angrenzenden Niederschlesien insgesamt 300 Tonnen Gold sowie Gemälde von Künstlern wie Rembrandt, Raffael und Albrecht Dürer vergraben sind.

Das oberflächliche Wühlen an den Ufern der Themse

Weniger legendenumrankt, dafür tatsächlich auffindbar sind die Kostbarkeiten, nach denen Menschen entlang der britischen Themse suchen. Seit Jahrhunderten wühlen die sogenannten "Mudlarks", also Drecksspatzen, im Geröll neben dem Flussbett. Im 18. und 19. Jahrhundert waren es arme Londoner auf der Suche nach Weggeworfenem und Verlorenem, das sich verkaufen ließ. Heute ist es selten Geldnot, die die Schatzsucher antreibt. Sie suchen nach historischen Alltagsgegenständen wie Knöpfe, Flaschen oder Keramikfiguren und teilen Bilder ihrer Funde mit einer wachsenden Instagram-Community. Schon für das Graben einer Handbreit - 7,5 Zentimeter - braucht man hier eine Genehmigung. Die Erlaubnis, tiefer in die Geheimnisse des vergangenen Londons einzudringen, haben nur die rund 50 Mitglieder der Society of Thames Mudlarks. Objekte, die historisch wertvoll sein könnten, sollen einem Museum gemeldet werden.

Dass die heimliche Suche nach dem Reichtum aber nicht nur ein Zeitvertreib ist, sondern auch gefährlich sein kann, zeigt der Tod dreier Griechen in einem Wald im Norden Athens Ende Juli: Die drei Männer waren in einen Brunnen gestiegen, vermutlich um nach einem Schatz aus dem Zweiten Weltkrieg zu suchen. Sie erstickten, so glaubt die griechische Polizei, an den Abgasen eines Generators, den sie zur Beleuchtung des Gemäuers eingesetzt hatten.

Spannung geht oft Hand in Hand mit Gefahr

Erst im Mai hatte sich ein ähnlicher Unfall ereignet: Vier Männer aus der griechischen Stadt Loutraki waren auf der Suche nach Goldmünzen, als sie ebenso an einer Abgasvergiftung starben. Speziell unter der Erde Griechenlands vermuten Schatzsucher die unterschiedlichsten Kostbarkeiten: Rund um Thessaloniki wird nach antiken Objekten wie Schmuck und Münzen gegraben. Entlang des Gebirgszugs Pangeo und in der Region Chalkidiki hoffen Hobby-Archäologen, auf das Gold des makedonischen Königs Philipp II. zu stoßen. In Westmakedonien wird nach Schätzen gegraben, die hier angeblich während des griechischen Bürgerkrieges versteckt wurden.

Hobbyarchäologen sind auch in Österreich aktiv

Auch in Österreich waren und sind Menschen auf der Suche nach dem Verborgenen. Seit den 1950er Jahren kursieren Gerüchte, das Hitler-Regime hätte seine Goldreserven im Toplitzsee im Salzkammergut versenkt. Eine Vielzahl von Tauchgängen förderte allerdings lediglich Falschgeld und eine Kiste mit Kronkorken zu Tage.

Schatzsucher, die den Wienerwald mit Metalldetektoren durchstreifen, werden dagegen immer wieder mit kleinen Funden aus der Römerzeit belohnt. Noch mehr Glück hatten die Personen, die Ende Juli in Unterweißenbach in Oberösterreich einen Silberschatz aus dem Mittelalter entdeckten, der mehr als 1500 Münzen umfasst. Die Finder verhielten sich in diesem Fall korrekt: Sie holten bei der Besitzerin des Grundstücks vorab eine Genehmigung ein, um nach dem Schatz graben zu dürfen, und kontaktierten nach ihrem Fund das Bundesdenkmalamt.

Die meisten Schatzsucher in Österreich bewegen sich nämlich in einer rechtlichen Grauzone: Eine Genehmigung, nach sogenannten Bodendenkmälern - also Gegenständen mit geschichtlicher oder künstlerischer Bedeutung - zu graben, bekommt hierzulande nur, wer ein abgeschlossenes Archäologiestudium hat oder ein Institut. Hobbyarchäologen machen sich also strafbar, sobald sie den sanften Metalldetektor gegen eine invasive Schaufel tauschen.