Im Kampf gegen das Coronavirus gilt in Deutschland seit dem heutigen Samstag eine Testpflicht für alle Urlauber, die aus Ländern mit vielen Infizierten zurückkommen. Wer kein negatives Testergebnis von kurz vor der Abreise dabei hat, muss sich nach der Ankunft in Deutschland testen lassen.

Die gilt künftig auf für Rückkehrer aus einigen Regionen Rumäniens und Bulgariens. Das Auswärtige Amt hat wegen hoher Infektionszahlen Reisewarnungen für mehrere Gebiete erlassen, darunter für die bulgarische Stadt Varna. Das Robert-Koch-Institut führt die Regionen inzwischen auch als Risikogebiete.

Beifall und Kritik

Ein Corona-Gratistext ist bis zu drei Tage nach der Einreise kostenlos möglich, wie eine Verordnung des deutschen Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU) festlegt. Die Tests sollen direkt an Flughäfen zu machen sein oder später in anderen Testzentren und Praxen. Freiwillig können sich schon seit vergangenem Samstag alle Urlauber kostenlos testen lassen.

Der Ärzteverband Marburger Bund begrüßte die neue Pflicht. An ersten Ergebnissen sei zu sehen, dass bei Rückkehrern aus Risikogebieten die Rate positiver Tests höher sei als bei den Tests im Inland, sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur. "Die Testpflicht könnte dies sogar noch deutlicher zutage fördern - denn es liegt nahe, dass Menschen mit einer Tendenz zu Risikoverhalten im Urlaub auch eher an freiwilligen Teststationen vorbeigehen." Für Rückkehrer aus Risikogebieten könnte es sinnvoll sein, auch bei einem ersten negativen Test eine kurze Quarantäne von einigen Tagen und dann einen zweiten Test anzuschließen. Tests seien Momentaufnahmen und deckten die vorangegangenen drei bis fünf Tage nicht ab.

Kritik kommt dagegen vom Vorsitzenden des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. Die Risikogebiete seien "viel zu pauschal" eingeteilt worden und viele Hausärzte seien nicht für einen riesigen "Ansturm von Testwilligen" ausgestattet, sagte Weigeldt der "Welt" (Samstag). Zudem sei es "absurd", dass Rückkehrer dem Arzt glaubhaft machen müssten, tatsächlich im Ausland gewesen zu sein - etwa durch einen Boarding-Pass oder eine Hotelrechnung. Die Hausärzte seien keine "Außenstelle des Bundesgesundheitsministeriums".

Aus der CDU gibt es Kritik daran, dass die Pflichttests für die Reisenden, die sich in Risikogebieten aufhielten, kostenlos sind.  "Wer einen Test benötigt, sollte auch für ihn bezahlen", monierte der designierte Hamburger CDU-Landeschef Christoph Ploß dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

1000 Neuinfektionen in Deutschland

In Deutschland selbst haben sich erneut deutlich mehr als 1000 Menschen am Tag neu mit dem Coronavirus infiziert. Das Robert-Koch-Institut meldete am Samstag  1122 neue Fälle, womit es nunmehr insgesamt 215.336 sind. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit dem Virus erhöhte sich um zwölf auf 9195.

(Apa/dpa)