Zagreb. Der kroatische Innenminister Davor Bozinovic sieht die österreichische Reisewarnung als "Teil der Vorgehensweise von Ländern, die sich für den Herbst eine möglichst gute epidemiologische Lage wünschen". Gleichzeitig war der Minister bemüht, im Ausland die Botschaft zu vermitteln, dass nur einzelne Regionen und nicht das ganze Land von steigenden Infektionszahlen betroffen seien.

"In den Regionen, wo sich die meisten Touristen aus Österreich befinden, gibt es eine günstige epidemiologische Situation", sagte Bozinovic am Freitag bei einer Pressekonferenz des nationalen Corona-Krisenstabs. Es bestehe eine intensive Kommunikation mit den österreichischen Behörden, um auf die spezifische Situation in einzelnen Regionen hinzuweisen, so der Innenminister.

Viele Fälle in Split

Und dennoch: Die unter Urlaubern beliebten Halbinsel Istrien und die Kvarner-Bucht seien hinsichtlich Infektionszahlen "im grünen Bereich", betonte der Chef des Instituts für öffentliche Gesundheit, Krunoslav Capak, mit Blick auf das im Nachbarland Slowenien angewandte Ampel-System. Die beiden Regionen weisen weniger als zehn Infektionsfälle auf 100.000 Einwohner in den letzten 14 Tagen auf. Weiter südlich in Dalmatien ist die Region rund um Split (Gespanschaft Split-Dalmatien) im roten Bereich (mit über 40 Infektionen pro 100.000 Einwohner), während der Rest von Dalmatien (Zadar, Sibenik, Dubrovnik) im gelben Bereich liegt (zwischen zehn und 40 Infektionen).

"Das ist eine gute und günstige Situation. Es gibt einige Regionen mit Infektionsherden, in dem Großteil der Regionen ist die Lage aber ruhig", sagte Capak. Im EU-Vergleich liege Kroatien im Durchschnitt, fügte er hinzu.

Rekordzahl an Neuinfektionen

Bei der Zahl der Neuinfektionen erreichte Kroatien am Freitag einen neuen Rekordwert: In den vergangenen 24 Stunden wurden 208 Neuansteckungen mit dem Coronavirus registriert, was der höchste Tageswert seit Beginn der Pandemie in dem Land im Februar ist. Für den Anstieg werden insbesondere Versammlungen von jungen Menschen in den Nachtklubs und auf Strandpartys verantwortlich gemacht, weshalb ab sofort die Bars und Nachtlokale um Mitternacht schließen müssen.

Unterdessen richteten Bürgermeister aus Istrien einen Appell an die kroatische Regierung, sich in Italien dafür einzusetzen, dass Corona-Test bei der Einreise aus Kroatien selektiv verlangt werden - je nach tatsächlicher epidemiologischer Lage der einzelnen Region, aus der man einreist. Laut kroatischen Medien haben Italiener wegen der eingeführten Maßnahme bereits begonnen, ihre Reservierungen in Kroatien zu stornieren. Ähnlich soll die Regierung auch Slowenien aufrufen, nicht das ganze Land auf die sogenannte rote Liste zu stellen. Auch Slowenien könnte nächste Woche Maßnahmen bei der Rückkehr von Kroatien-Urlaubern einführen. (apa)