Der Trend zu steigenden Infektionszahlen in Deutschland ist ungebrochen. Das Robert-Koch-Institut in Berlin meldete am Freitag mit 1449 Fällen erneut die meisten Neu-Infizierten binnen eines Tages seit Anfang Mai. "Wir dürfen diese Entwicklung so nicht weiterlaufen lassen", warnte RKI-Vize-Präsident Lars Schaade. Abstand halten, Masken tragen und Hygieneregeln einhalten sei entscheidend.

"Anders wird es nicht gehen." Sonst drohe man, die Kontrolle zu verlieren. Hoffnungen, dass unerkannt viele Menschen bereits Antikörper gegen das Virus gebildet hätten, machte eine Studie im einstigen Corona-Hotspot Kupferzell zunichte. Nur knapp acht Prozent der gut 2200 untersuchten Menschen hatten Antikörper. "Das reicht nicht aus, um eine zweite Welle zu verhindern", sagte Schaade. Offen sei zudem, ob die Konzentration der Antikörper in jedem Fall zum Schutz hoch genug sei.

Flächendeckender Ausbruch

Laut dem RKI ist die Zahl der bestätigten Corona-Fälle den zweiten Tag in Folge um mehr als 1400 gestiegen. Binnen eines Tages stiegen sie so auf insgesamt 221.413 Infektionen. Die Totenzahl erhöhte sich demnach um 14 auf 9225. In Deutschland sind 12.500 akut Infizierte registriert. Diese zentrale Zahl hatte schon unter 5000 gelegen.

Sorgen bereitet vor allem, dass sich das Virus wieder flächendeckend ausbreitet und sich nicht auf einzelne Ausbruchsherde konzentriert. Als Grund dafür gelten auch die Reiserückkehrer, die das Virus aus Risikogebieten einschleppen. Deren Zahl nimmt weltweit und auch in Europa wieder zu. Daher besteht für Heimkehrer aus diesen Regionen inzwischen eine Testpflicht.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht Deutschland angesichts der Entwicklung am Beginn einer zweiten Corona-Welle. "Es gibt zahlreiche Anhaltspunkte dafür, dass wir so nicht weitermachen können wie jetzt", sagte Lauterbach im ZDF-Morgenmagazin. Die Pandemie sei nicht vorbei, die Menschen verhielten sich aber unvorsichtiger. Um die Lage in den Griff zu bekommen, sei unter anderem eine gute Test-Strategie notwendig. "Wir müssen schneller testen, mehr testen."

Studie: Nur 17 Prozent ohne Symptome

Bei der RKI-Studie im baden-württembergischen Kupferzell wurden bei den gut 2200 untersuchten Erwachsenen keine neuen Infektionsfälle gefunden. Dies wurde als Erfolg der Abstands- und Hygieneregeln in den letzten Monaten gewertet. 7,7 Prozent der Einwohner hätten Antikörper gegen das Virus im Blut gehabt.

Die Studie ergab ferner, dass 83 Prozent der Menschen mit Antikörpern in der Vergangenheit Symptome der Krankheit gezeigt hätten. Umgekehrt waren also nur rund 17 Prozent ohne Symptome. Zudem zeigte die Untersuchung, dass in Kupferzell knapp vier Mal mehr Menschen infiziert gewesen sind als bisher vom Gesundheitsamt erfasst. In Kupferzell war ein Kirchenkonzert am 1. März Auslöser für eine große Infektionswelle.

Die Studie bestätigt im Kern Zwischenergebnisse einer Untersuchung bei Blutspendern. Dort war lediglich bei 1,3 Prozent der 12.000 Menschen Antikörper in einer nicht-repräsentativen Studie nachgewiesen worden. Diese Gruppe stammte allerdings auch nicht aus einem Risikogebiet wie in Kupferzell. (apa)