Francina Armengol ist enttäuscht. Sie respektiere die Entscheidung Österreichs und Deutschlands, teile sie aber nicht. Die Corona-Reisewarnung für Mallorca spiegle keineswegs die reale Gesundheitssituation auf der Insel wider, so die Ministerpräsidentin der Balearen. "Mallorca und die Balearen sind nach wie vor ein sicheres Reiseziel", stellt Armengol klar.

Die rasant zunehmenden Corona-Infektionszahlen in Spanien haben in Wien und Berlin jedoch für Unruhe gesorgt. Mittlerweile verzeichnet der ehemalige Corona-Hotspot 142 Fälle pro 100.000 Einwohner. Doch die Entwicklung auf Mallorca ist tatsächlich rückläufig. Auf den Balearen sind derzeit nur 1567 aktive Fälle bekannt. 174 weniger als noch am vergangenen Freitag. Auch ging seit Anfang August der Durchschnittswert von 77 auf aktuell 32 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zurück.

Deshalb hält es Ministerpräsidentin Armengol einfach für "unfair", auch vor Reisen nach Mallorca und auf die restlichen Balearen-Inseln Menorca, Ibiza und Formentera zu warnen. In Interviews und auf Pressekonferenzen weist sie immer wieder auf die höchsten Rückverfolgungsquoten in Spanien und die zahlreichen Corona-Tests hin.

"Natürlich sind die Zahlen nicht gut. Aber wir haben die Infektionsherde auf den Balearen unter Kontrolle und waren mit vielen Schutzmaßnahmen sogar Vorreiter in Spanien", versichert Ildefonso Hernández Aguado der "Wiener Zeitung". Der Epidemiologe ist Berater des balearischen Gesundheitsministeriums.

Bloß kein zweites Ischgl werden

Mallorca war eine der ersten Regionen Spaniens, die Mitte Juni, noch vor dem Ende des Lockdowns, wieder Urlauber auf die Insel ließ. Die Insel ist abhängig vom Tourismus. Dennoch war der Regionalregierung wie der Tourismusbranche klar, Mallorca dürfe kein zweites Ischgl werden.

Das wurde bereits Mitte Juli deutlich, als die Bilder von wilden Partys am "Ballermann" durch die internationalen Medien gingen. Betrunkene Deutsche feierten ohne Masken und Abstand. Sofort ließ die Regionalregierung sämtliche Lokale an der berühmt-berüchtigten "Bier- und "Schinkenstraße" zunächst für zwei Monate schließen. Wahrscheinlich aber, bis ein Impfstoff gefunden ist.

Ungewohnt wenig ist auch am Strand El Arenal in Palma de Mallorca los. - © APAweb / REUTERS, Enrique Calvo
Ungewohnt wenig ist auch am Strand El Arenal in Palma de Mallorca los. - © APAweb / REUTERS, Enrique Calvo

"Hier ist alles zu. Nichts los. Wahnsinn, so habe ich den Ballermann noch nie erlebt", sagt Inken, eine deutsche Urlauberin aus Hannover, die jeden Sommer im "Bierkönig" Party macht. Auch die Partylokale in der Briten-Hochburg Magaluf westlich der Inselhauptstadt Palma mussten dicht machen. Die Party-Exzesse waren Ausnahmen, illegal und nach ein paar Tagen vorüber. "Doch das Verhalten einiger Urlauber und Lokalbesitzer durfte nicht die Anstrengungen der großen Mehrheit im Kampf gegen die Pandemie aufs Spiel setzen", erklärt Epidemiologe Hernández Aguado.

So verstärkte die Inselregierung sofort die Sicherheits- und Abstandskontrollen im Hotel- und Gastronomiegewerbe. Man stellte vermehrt Tracer zum Nachverfolgen der Infektionsketten an. Diskotheken und Nachtclubs mussten größtenteils wieder dicht machen oder dürfen unter hohen Auflagen und bei einer stark reduzierten Gästezahl nur noch bis 1 Uhr nachts öffnen.

Maskenpflicht auf der Straße

Ähnliche Einschränkungen gelten für Bars und Restaurants. An Theken darf nur noch bis 22 Uhr bedient und Tische nur noch mit maximal zehn Personen besetzt werden. Veranstaltungen wie Konzerte müssen sich eine spezielle Genehmigung der Gesundheitsbehörde einholen. Schon seit Ende Juli sind private Treffen draußen auf 30 und drinnen auf 15 Personen beschränkt. Auch auf der Straße gilt Maskenpflicht. Ausnahmen sind nur für Strände und Pools vorgesehen. Poolpartys und Partyboote sind strikt verboten.

Die erneut rückläufigen Fallzahlen zeigen, dass die Maßnahmen funktionieren. Ob sie reichen, um Mallorca als "Corona-Hotspot" aus den Medien und damit aus den Köpfen vieler zu bringen, bleibt abzuwarten. Zwar zeigen aktuelle TV-Bilder von der Playa de Palma weniger Strandbesucher als an der Nord- oder Ostsee. Auch die Abstände zwischen den Badegästen sind hier größer. Doch Mallorca ist gerade für Ausländer und ausländische Medien das Tourismus-Symbol Spaniens schlechthin.

So trichtert sich bei vielen Menschen der Eindruck ein, Mallorca habe ein akutes Covid-Problem, obwohl Touristen selbst im Juli und August den Eindruck bekommen mussten, in der absoluten Nebensaison zu sein:Kein Warten bei der Autovermietung am Flughafen. Und selbst am beliebten Südsee-Strand Es Trenc im Süden der Insel fand man in den vergangenen Wochen problemlos einen freien Parkplatz. Diese Aufnahmen zeigten viele Medien allerdings nicht.