Die Opferzahl der schweren Unwetter in Norditalien ist weiter angestiegen. Acht Tote wurden seit Beginn der heftigen Niederschläge am Samstag gemeldet. Sechs Leichen wurden am Sonntag in der norditalienischen Küstenregion Ligurien geborgen.

Zwei Leichen wurden in der ligurischen Stadt Ventimiglia unweit der französischen Grenze entdeckt, zwei weitere lagen auf dem Strand bei Sanremo. Eine fünfte Leiche wurde im Meer vor der Badeortschaft Santo Stefano al Mare in der ligurischen Provinz Imperia lokalisiert. Ein weiteres Opfer ist ein französischer Viehzüchter italienischer Herkunft, der seit Samstag vermisst war. Seine Leiche wurde im Fluss Roya in Ligurien entdeckt.

Am Samstag war ein 53-jähriger freiwilliger Feuerwehrmann aus der Gemeinde Arnad im Aostatal bei einer Rettungsaktion von einen umgestürzten Baum getötet worden. Weiters kam ein 36-jähriger Mann aus Borgosesia in der Region Piemont ums Leben, der mit seinem Fahrzeug auf einer eingestürzten Straßenstrecke unterwegs gewesen war. Vermisst wird noch ein Jäger in der lombardischen Provinz Pavia.

Schäden in Millionenhöhe

Die Regionen Piemont und Ligurien beklagten wegen den Unwettern Schäden in Millionenhöhe. Mehrere Brücken stürzten wegen der reißenden Flüsse ein. Orte liefen mit Schlamm und Wasser voll. Autos wurden in Flüssen mitgerissen. Der Strom fiel für Tausende Menschen aus. Besonders betroffen war die Bergortschaft Limone Piemonte. Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte versprach umgehend Unterstützung seitens der Regierung in Rom.

Ganze Häuser wurden von den Wassermassen mitgerissen, Straßen und Brücken zerstört, Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten: Sturm und Unwetter mit Überschwemmungen haben im Südosten Frankreichs und in Norditalien zu teils chaotischen Zuständen geführt. Auch in Österreich und der Schweiz richteten Wind und Regen am Wochenende große Schäden an, in Niederösterreich wurde eine Vierjährige bei einer Wanderung von einem Ast erschlagen.

Das Mädchen war mit seiner Oma (72) und zwei weiteren Kindern am Samstagnachmittag durch das Mendlingtal in Göstling an der Ybbs (Bezirk Scheibbs) gewandert. Dabei dürfte laut Polizei eine orkanartige Windböe eine Fichte entwurzelt haben. Der Baum stürzte über den Wanderweg und traf die Gruppe, die Vierjährige starb. Bereits am Freitagabend war eine Zwölfjährige in Rum in Tirol im Föhnsturm von einem umstürzenden Baum getroffen worden.

"Katastrophale Lage"

Im französischen Departement Alpes-Maritimes und in Norditalien liefen am Sonntag die Aufräumarbeiten. In Frankreich wurden rund 1.000 Feuerwehrleute und die Armee eingesetzt. In der italienischen Region Piemont waren Straßen und Brücken beschädigt und Städte überschwemmt, etwa in Limone Piemonte in der Provinz Cuneo. Der Bürgermeister dort sprach von einer "katastrophalen Lage". Die Regionen Piemont und Ligurien beklagten Schäden in Millionenhöhe.

In den Bergen nördlich von Nizza waren Dörfer nicht mehr erreichbar. Das Telefonnetz war zusammengebrochen. Tausende Haushalte waren ohne Strom. Retter brachten Wasser und Lebensmittel in die Region. Remi Recio, Leiter des engsten Mitarbeiterstabes des örtlichen Präfekten, sprach von einer "meteorologischen Bombe", die am Freitag über dem Departement niedergegangen sei. Vom Hubschrauber aus habe er kriegsähnliche Szenen gesehen. "Man hat den Eindruck, dass das Gebiet bombardiert wurde."

Orte voller Schlamm

Häuser seien von den Wassermassen weggerissen worden. Es gebe immer noch große Unsicherheit: "Wir wissen derzeit nicht, ob die Häuser bewohnt oder Ferienhäuser waren", sagte Recio dem Nachrichtensender Franceinfo. Zu den acht Vermissten sagte er, es gebe Zeugenaussagen, dass diese in den Fluten verschwunden seien.
Regierungschef Castex und Innenminister Gerald Darmanin waren am Samstag in das Departement Alpes-Maritimes geeilt. Castex sicherte der Bevölkerung Unterstützung zu. Am Mittwoch werde das Kabinett den Katastrophenzustand für betroffene Gemeinden ausrufen. Das erleichtert unter anderem Entschädigungen. Südfrankreich wird seit Jahren von Unwettern getroffen. Im Herbst vergangenen Jahres kamen 14 Menschen ums Leben. Die dicht bebaute Cote d'Azur wurde genau vor fünf Jahren von schweren Unwettern heimgesucht, 20 Menschen starben damals.

Markusplatz blieb trocken

In Italien starb ein 53-jähriger freiwilliger Feuerwehrmann aus der Gemeinde Arnad im Aostatal, der bei einer Rettungsaktion von einem umgestürzten Baum getroffen wurde. Ein 36-jähriger Autofahrer aus Vercelli wurde auf einer kaputten Straße vom Flußwasser weggerissen. Teilweise hatte es im Nordwesten Italiens auf Samstag so stark geregnet wie seit rund 60 Jahren nicht mehr. Orte liefen mit Schlamm und Wasser voll. Autos wurden in Flüssen mitgerissen. Der Strom fiel für Tausende Menschen aus. Die Behörden warnten weiter vor Hochwasser.

In Venedig wurde am Samstag die neue Hochwasserschutzanlage "Mose" erstmals in einer echten Gefahrenlage hochgefahren. Die Tore der Flutschleusen an den Öffnungen der Lagune wurden aufgestellt. Am Sonntag hieß es in Medienberichten, "Mose" habe Wirkung gezeigt: Trotz erhöhter Wasserstände sei der Markusplatz im Zentrum trocken geblieben. (apa/apa)