Eine Gruppe von Kaufleuten in Palermo hat nach jahrelangen Erpressungen durch Mafiosi revoltiert und die Mafia-Bosse angezeigt. 20 Mitglieder des organisierten Verbrechens wurden festgenommen, berichteten die Carabinieri am Dienstag. Ihnen werden unter anderem Mordversuch, Erpressung, Hehlerei, Drogenhandel und Diebstähle vorgeworfen.

Die Festnahmen erfolgten dank der freiwilligen Anzeigen von Opfern. Dabei handelt es sich um Kaufleute im Viertel Borgo Vecchio von Palermo, das von der Cosa Nostra kontrolliert wird.

"Das Gesetz des Schweigens, das bisher die Mafia geschützt hatte, bröckelt. Immer mehr Unternehmer und Kaufleute rebellieren. Damit können wir die Cosa Nostra effizienter bekämpfen", sagte ein Sprecher des Antimafia-Verbands "Addiopizzo" (Schutzgeld Adieu), der sich gegen die noch weitverbreiteten Erpressungen in der sizilianischen Wirtschaft engagiert.

Jüngsten Angaben des italienischen Kaufleuteverbands Confesercenti zufolge zahlen in Palermo immer noch unzählige Händler und Kaufleute "Schutzgeld" an die Mafia. Ermittler warnten, dass die Mafia die Coronakrise in Italien nutzen könne, um tiefer in die legale Wirtschaft des Landes einzudringen. (apa)