Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, ist besorgt über die jüngste Entwicklung in der Corona-Krise in Deutschland: "Inzwischen ist die Situation insgesamt sehr ernst geworden", sagte Wieler am Donnerstag in Berlin. Aber er fügt hinzu: "Derzeit haben wir noch die Chance, die weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen." Voraussetzung dafür sei aber die konsequente Einhaltung der Hygieneregeln.

Im Vergleich zur ersten Welle der Pandemie im Frühjahr nehme derzeit die Ausbreitung des Virus in privaten Haushalten deutlich zu. Ursache sei, dass sich Menschen vor allem bei privaten Begegnungen ansteckten und das Virus mit nach Hause brächten. Dies gelte es, mit Einhaltung der Hygieneregeln zu verhindern.


Ansteckungen im öffentlichen Nahverkehr oder auch in Hotels seien dagegen eher seltener, erläuterte Wieler. Eine Veranlassung für einen Kurswechsel in Deutschland angesichts der steigenden Zahlen bei den Neuinfektionen sehe er nicht. Eindämmung, Schutz und Milderung seien die drei Pfeiler für ein erfolgreiches Vorgehen in der Pandemie, sagte Wieler. Diese Strategie habe Deutschland von Anbeginn gefahren. Es sei daher nicht ausgemacht, dass Deutschland in absehbarer Zeit dort stehe, wo etwa Belgien oder die Niederlande heute seien.

Am Morgen hatte das RKI erstmals mehr als 10.000 Neuinfektionen in Deutschland binnen 24 Stunden gemeldet. Am Vortag waren es 7.595. Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle steigt demnach auf 392.049. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus steigt um 30 auf 9.905.