Bei der Corona-Massentestung von Südtirols Bevölkerung ist es zu Verzögerungen bei der Übermittlung der Testergebnisse gekommen. Rund zehn Prozent seien davon betroffen, teilte der Südtiroler Sanitätsdienst mit. Dies sei geschehen, "weil entweder die E-Mail-Adresse oder die angegebene Telefonnummer nicht korrekt oder gar nicht angegeben war", hieß es.

Die betroffenen Bürger wurden um Geduld gebeten und dass sie nicht in die Testzentren zurückgehen. Sie würden nun entweder per E-Mail oder SMS über die weitere Vorgangsweise verständigt, "je nachdem, welche Angabe korrekt vorhanden ist". Es werde "intensiv" an einer Lösung gearbeitet und man versuche herauszufinden, "welches die Ursache für Verzögerungen bei der Zustellung der SMS ist", wurde versichert.

Zugangscode

Wer sich einem Test unterzieht, wird per E-Mail mit einem verschlüsselten PDF über das Testergebnis informiert. Das PDF kann mit einem via SMS zugestellten Zugangscode geöffnet werden. Über 210.000 Südtiroler nahmen bereits an der Aktion "Südtirol testet" teil. Noch bis Sonntag sind rund 350.000 Menschen aufgerufen, sich testen zu lassen.

Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) sagte indes im Interview mit der "Kleinen Zeitung" (Samstags-Ausgabe), dass der Massentest "mit Sicherheit kein Allheilmittel und auch nicht die Lösung des Problems" sei und verwies stattdessen auf einen Impfstoff. Die Aktion könne aber helfen, "den Lockdown zu verkürzen, weil wir damit viele asymptomatisch Positive herausfiltern können". Zudem werde dies keine "Einmalaktion" bleiben, weitere Screenings in "Gemeinden, Bezirken, Risiko- und Personengruppen" sollen folgen, meinte er.

 

Rege Debatte in Italien über Impfstoff

Während Italien viele Menschen auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus ab Jänner hoffen, hat der bekannte italienische Virologe  Andrea Crisanti  vor verfrühtem Optimismus gewarnt und sich damit viel Kritik zugezogen. "Ohne sichere Informationen lasse ich mich nicht impfen. Ich möchte überzeugt sein, dass der Impfstoff akkurat getestet wurde und alle Sicherheits- und Wirksamkeitskriterien erfüllt. Als Bürger habe ich ein Recht darauf, verkürzte Wege kann ich nicht akzeptieren", sagte er.

Er sei keineswegs gegen Impfungen, so Crisanti, Direktor der Mikrobiologie- und Virologie-Abteilung der Universität Padua und einer der prestigereichsten Virologen Italiens. Er bezweifle jedoch, dass im Rennen um eine rasche Entwicklung der Impfstoffe alle Testphasen genau berücksichtigt worden seien. Damit zog sich der Experte viel Kritik zu.

"Verantwortungslos"

"Crisantis Worte sind verantwortungslos. Niemand darf Zweifel über die Sicherheit der Impfstoffe nähren, das ist irreführend für die Leute ", schrieb der Experte für Infektionskrankheiten, Matteo Bassetti.

"Ich bin der erste, der sich impfen lassen würde. Experten sollten volle Verantwortung für ihre Behauptungen übernehmen, da sie in den Medien große Resonanz haben", warnte der Präsident von Italiens Oberstem Gesundheitsrat Franco Locatelli. Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri meinte, die Regierung werde garantieren, dass der Impfstoff, der in Italien in Umlauf kommen wird, sicher sein werde.

Massenimpfungen ab 2021

Italien will 2021 mit Massenimpfungen gegen das Coronavirus starten. Die italienische Regierung rechnet, dass schon ab Jänner 3,4 Millionen Dosen Impfstoff im Land verfügbar sein werden. "Innerhalb einiger Monate können wir mit Impfungen auf breitem Niveau starten", berichtete Regierungskommissar Domenico Arcuri laut Medienangaben. Italien bemühe sich bereits um Einkäufe in großem Ausmaß von Spritzen für die Impfungen. Vorerst sei keine Impfpflicht vorgesehen.

In Italien ist in den vergangenen Jahren eine starke "No Vax"-Bewegung gegen die Impfpflicht für Kinder entstanden, die gegen zehn Krankheiten geimpft werden müssen. Jeder vierte Italiener will sich nicht impfen lassen, sollte ein Impfstoff gegen Coronavirus auf den Markt kommen, geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Piepoli hervor, die diese Woche für die öffentlich-rechtliche TV-Anstalt RAI durchgeführt wurde. Acht Prozent erklärten, sie würden sich auf "keinen Fall" impfen lassen, 17 Prozent würden sich "wahrscheinlich" keiner Impfung unterziehen. Sechs Prozent der Befragten gaben an, dazu keine Meinung zu haben.

Lediglich 31 Prozent der Befragten wollen sich sicher impfen lassen. 37 Prozent halten es für "möglich". Rund die Hälfte bezweifelt, dass der Impfstoff bereits in den ersten Monaten 2021 verfügbar sein wird. (apa)