Nicht nur in Österreich, sondern auch in allen anderen EU-Staaten hat am Sonntag die offizielle Impfkampagne mit dem Corona-Vakzin von Biontech und Pfizer begonnen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den gemeinsamen Impfbeginn als "berührenden Moment der Einigkeit" und als europäische "Erfolgsgeschichte".

Für die gesamte EU waren am Samstag die ersten Impfstoffdosen aus der Pfizer-Fabrik im belgischen Puurs ausgeliefert worden. Vereinzelt wurden erste Impfungen noch am Samstag verabreicht. Neben einer 101-jährigen Pflegeheimbewohnerin im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt erhielten auch Menschen in Ungarn und der Slowakei einen Tag vor dem offiziellen Impfstart in der EU das Vakzin.

In Österreich war eine 84-jährige Pensionistin die erste, die am Sonntag gegen das Coronavirus geimpft wurde. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprach von einem "historischen Tag": "Die Impfung ist der Anfang vom Sieg über die Pandemie, sie ist ein 'Gamechanger'".

"Großer Stolz" und Verantwortung

Die 29-jährige Krankenschwester Claudia Alivernini, die am Sonntag als erste Italienerin mit dem Vakzin geimpft wurde, sagte, sie empfinde "großen Stolz" und Verantwortung angesichts dieses Privilegs. Während in Italien in der ersten Phase bevorzugt Mitarbeiter im Gesundheitswesen geimpft werden, waren unter anderem in Spanien und Frankreich die Bewohner von Pflegeheimen die ersten Impfstoff-Empfänger. Die 96-jährige Pflegeheimbewohnerin Araceli Hosario Hidalgo Sanchez, die als erster Mensch Spaniens das Biontech-Vakzin erhielt, sagte im nationalen Fernsehen mit einem Lächeln im Gesicht, sie habe bei der Injektion "nichts" gespürt.

Die 96-jährige Pflegeheimbewohnerin Araceli Hosario Hidalgo Sanchez erhielt als erster Mensch Spaniens das Vakzin. - © APAweb / AFP, Borja Puig de la Bellacasa
Die 96-jährige Pflegeheimbewohnerin Araceli Hosario Hidalgo Sanchez erhielt als erster Mensch Spaniens das Vakzin. - © APAweb / AFP, Borja Puig de la Bellacasa

Im Pariser Vorort Seine-Saint-Denis applaudierten die Mitarbeiter eines Krankenhauses einer 78-Jährigen, die sich als erste die Spritze geben ließ. "Ich bin bewegt", sagte die pensionierte Haushälterin. Im von sozialen Problemen geprägten Seine-Saint-Denis liegen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus besonders hoch.

Tschechiens Premier erster Geimpfter

In Tschechien ließ sich zuerst öffentlichkeitswirksam Ministerpräsident Andrej Babis impfen. Zur Begründung erklärte er, er habe im Fernsehen eine Frau gesehen, die gesagt habe, sie wolle mit der Impfung "auf Babis warten".

In Tschechien bekam Premier Andrej Babis als Erster den Impfstoff. - © APAweb / REUTERS, David W Cerny
In Tschechien bekam Premier Andrej Babis als Erster den Impfstoff. - © APAweb / REUTERS, David W Cerny

Rumänien hat ebenfalls am Sonntag mit Impfungen begonnen. Als erste wurde in einem Bukarester Krankenhaus die medizinische Assistentin Mihaela Anghel immunisiert. Die 26-Jährige gilt als "Veteranin" im Kampf gegen das Coronavirus - sie gehört jenem medizinischen Team an, das Ende Februar den ersten ins Krankenhaus gebrachten Covid-Patienten behandelte.

Mit der Impfung von Ärzten und Pflegern hat auch in Finnland die Immunisierung begonnen. Drei Frauen und drei Männer erhielten in der Universitätsklinik Helsinki die Impfung. Die Klinikmitarbeiter gehörten der Intensiv- oder Lungenstation an oder arbeiteten bei den Corona-Tests mit, sagte die stellvertretende Chefärztin der Klinik, Eeva Ruotsalainen.

In Estland wurde als erste Person vor laufender Kamera eine Ärztin in der Industriestadt Kohtla-Järve im Nordosten des baltischen EU-Landes geimpft. Im Laufe des Tages wurden auch noch Ärzten und Pfleger in den beiden größten Städten Tallinn und Tartu eine Injektion mit dem Vakzin verabreicht. (apa, afp, dpa)