Ein starkes Erdbeben, das am Dienstag gegen 12.20 Uhr Zentralkroatien erschütterte, hat mehrere Menschenleben und Dutzende Verletzte gefordert: Die Zahl der Todesopfer stieg bis zum Abend auf sieben, wie kroatische Medien berichteten. Die Rettungs- und Aufräumaktionen liefen nach Einbruch der Dunkelheit weiter. In der Kleinstadt Petrinja, wo das Epizentrum des Bebens lag, kam ein Mädchen ums Leben. Mindestens fünf Menschen starben in einem Dorf in der Nähe von Glina. Ein weiteres, siebentes Todesopfer gab es laut Medien in einer eingestürzten Kirche nahe Sisak.

In Petrinja, wo zahlreiche Häuser im Stadtzentrum zusammenfielen, wurde in den Trümmern mit Spürhunden nach Verschütteten gesucht. Neben Rettungskräften waren auch 130 Soldaten im Einsatz. Das Militär half mit Transportflugzeugen bei der Evakuierung des Spitals in der ebenfalls stark betroffenen Stadt Sisak. Beinahe alle Gebäude im dortigen Allgemeinkrankenhaus wurden beschädigt, so dass Patienten, darunter auch Covid-Erkrankte, nach Zagreb gebracht werden mussten. Soldaten halfen auch bei Evakuierung der Pneumologie-Klinik in Petrinja.

Über immense Zerstörungen wurde aus Glina berichtet, rund 20 Kilometer vom Epizentrum entfernt. In der Gegend sei kaum ein Haus unbeschädigt geblieben, sagte die Vize-Bürgermeisterin Branka Baksic Mitic gegenüber Medien. Im Dorf Majske Poljane seien in den Trümmern fünf ums Leben gekommene Menschen gefunden worden. Auch dort waren die Rettungskräfte am Abend noch im Einsatz.

Auswirkungen über Landesgrenzen

Das Beben der Stärke 6.4 auf der Richterskala war auch außerhalb der Landesgrenzen zu spüren, nicht zuletzt in Wien. "Wir hatten auch mehr als 150 Meldungen aus ganz Österreich - auch in Südtirol", sagte Maria-Theresia Apoloner, Seismologin bei der ZAMG. In den Redaktionsräumen der "Wiener Zeitung" im 3. Bezirk war deutlich eine rhythmische Schaukelbewegung des Gebäudes zu spüren. "Es hat schon sehr lange gewackelt, was die Bevölkerung beunruhigt hat, weil man das bei uns nicht gewohnt ist", so Apoloner weiter.

In Wien dürfte das Beben vor allem im Bereich des Wiener Beckens deutlich bemerkbar gewesen sein - in Transdanubien weniger - "weil das Sedimentbecken besser schwingt als Fels", wie die Expertin erklärte. Besonders spürbar sei so ein Ereignis in höheren Stockwerken. "Das muss man sich wie ein umgedrehtes Pendel vorstellen, das umso besser ausschlägt, je länger es ist. Und weil Weihnachtszeit und alles ruhig ist, nimmt man dann so ein Beben noch stärker wahr."

Den Messgeräten zufolge war die Erde auch noch 30 Minuten nach dem Beben in Schwingung - aber nicht mehr spürbar - ebenso das Nachbeben der Stärke 2,6 nach Richter. Bereits in der ersten Stunde nach dem Beben erreichten die ZAMG mehr als 200 Wahrnehmungsberichte aus Österreich. Meldungen aus Kärnten, der Steiermark, Oberösterreich, Salzburg, dem Burgenland sowie aus dem Raum Wien trafen auf der Hohen Warte ein. Unter anderem wurde deutliches Rütteln von Gebäuden verspürt, und Gläser, Geschirr und Christbaumkugeln klirrten.

Der Erdbebendienst der ZAMG ersuchte die Bevölkerung, das Wahrnehmungsformular auf der Website  http://www.zamg.ac.at/bebenmeldung auszufüllen.

Slowenien schaltet Kernkraftwerk ab

Das Zentrum des Bebens lag in einer Tiefe von zehn Kilometern, berichteten italienische Medien. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) registrierte um 12:19 Uhr einen Erdstoß der Magnitude 6,1 im Raum Sisak.


In Österreich war das Beben wesentlich deutlicher wahrnehmbar als noch jenes im Frühjahr in der Nähe von Zagreb. Außerdem hielten die Erdstöße länger an.


Die Erschütterungen waren auch in Friaul Julisch Venetien, in Venetien und in der Adria-Region Abruzzen deutlich spürbar. Die Feuerwehr wurde mit Anrufen besorgter Bürger bombardiert.

Einer Meldung der Nachrichtenagentur STA zufolge schaltete Slowenien als Vorsichtsmaßnahme das einzige Kernkraftwerk des Landes, Krsko, ab. Es befindet sich 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt.

Das Zentrum des Bebens, das vom European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) mit einer Stärke von 6,3 angegeben wurde, lag rund 45 Kilometer südwestlich von Zagreb, in der Nähe von Petrinja. Dort war bereits das Zentrum des Bebens vom gestrigen Montag, das eine Stärke von 5,2 hatte. (apa/red)