In Zentralkroatien seien bei dem Erdbeben am Dienstag mehr als 1.000 Gebäude im Gebiet von Petrinja, Sisak und Glina komplett zerstört worden, mindestens so viele seien beschädigt, sagte der Verantwortliche der Region Sisak-Moslavina, Ivo Zinic, am Mittwoch zum Regionalsender N1. Meldungen über Vermisste gäbe es vorerst keine.

Nachdem die Rettungskräfte auch die entferntesten Dörfer überprüft haben, werden die endgültigen Opferzahlen feststehen, so Zinic. Bei dem Erdbeben starben am Dienstag sieben Menschen, nach Angaben des Innenministeriums wurden mindestens 26 Menschen verletzt, sechs davon schwer. Die Regierung erklärte den 2. Jänner zum nationalen Trauertag. Außerdem wurden für den ersten Hilfebedarf umgerechnet 16 Millionen Euro bereitgestellt.

Massive Zerstörung

Bilder aus den betroffenen Gebieten, die ohnehin zu den ärmsten Teilen des Landes zählen, zeigten enorme Schäden. Zahlreiche Häuser sind dem Boden gleichgemacht, anderswo wurden die Dächer notdürftig repariert. Die Zerstörung wird mit dem Kroatien-Krieg (1991-1995) verglichen, viele Menschen haben nach dem Krieg nun zum zweiten Mal ihre Häuser verloren. In Glina und Umgebung gab es am Mittwoch keine Wasserversorgung, wegen beschädigter Leitungen waren Teile von Petrinja nach wie vor ohne Strom.

"Das ist keine Katastrophe, das ist ein Kataklysmus", sagte ein Bewohner aus dem Dorf Majske Poljane zum Nachrichtenportal "Index" vor seinem stark beschädigten Haus. Auch er verbrachte die Nacht im Wagen. Seine 90-jährige Mutter, die sich während des Bebens im Haus befunden hatte, übernachtete in der Notunterkunft in Glina. In dem Dorf, das zu den am stärksten betroffenen gehört, starben fünf Menschen in den Trümmern.

In Petrinja haben laut Medien rund 500 Menschen, deren Häusern zerstört wurden, die Nacht in Notunterkünften verbracht, viele davon in der dortigen Kaserne. Andere kamen bei Verwandten unter, ein Teil der Bevölkerung blieb allerdings bei ihren Häusern. Die Nacht verbrachten sie im Freien oder in ihren Autos. Auch in Sisak blieben die meisten Bewohnern bei ihren beschädigten Häusern, rund 130 nützten die Notunterkünfte, die in den Sporthallen von dortigen Schulen errichtet wurden. Mehr als 300 Krankenhauspatienten und Bewohner von Altersheimen wurden aus Sisak und Petrinja nach Zagreb evakuiert.

Warten auf Hilfe

Hilfe für das betroffene Gebiet langte aus allen Teilen Kroatiens sowie auch aus dem Ausland ein. Zahlreiche Freiwillige trafen ein, um zu helfen. Die Behörden haben diese aufgerufen, nicht mehr nach Petrinja und Sisak zu kommen. "Trotz ihrer guten Absichten erschwert das Gedränge die Arbeit der Rettungsdienste", twitterte das Innenministerium. In den abgelegenen Dörfern freute man sich unterdessen über die Freiwilligen, die bei den Aufräumarbeiten helfen. Eine Gruppe von jungen Menschen mit Schaufeln betonte gegenüber N1, sie hätten sich mit lokalen Behörden abgestimmt, wo sie helfen können. (apa)