Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Großbritannien hat am Samstag erneut einen Rekordwert erreicht. Mehr als 57.700 Fälle wurden innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums in dem Land gemeldet, so viele wie noch nie zuvor. Gleichzeitig wurden 445 neue Todesfälle registriert. Die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen liegt landesweit inzwischen bei knapp 400. Dieser Wert stammt vom 28. Dezember.

Viele der Neuinfektionen werden auf eine neue, ansteckendere Virusvariante zurückgeführt, die besonders in London, sowie dem Südosten und Osten Englands grassiert.

Krankenhäuser in London kommen Berichten zufolge an ihre Kapazitätsgrenzen. Patienten werden demnach auf Gängen untergebracht oder müssen stundenlang in Krankenwagen warten, bis ein Bett frei wird. Der Präsident des britischen Ärzteverbands "Royal College of Physicians", Andrew Goddard, riet Kliniken landesweit, sich auf ähnliche Verhältnisse vorzubereiten. "Diese neue Variante ist definitiv ansteckender und breitet sich im ganzen Land aus", sagte er der BBC.

Mit Massenimpfungen soll der Ausbreitung des neuartigen Virus nun möglichst rasch Einhalt geboten werden. Wie "The Times" berichtet, will der Pharmakonzern AstraZeneca ab Mitte Jänner jede Woche etwa zwei Millionen Impfdosen an Großbritannien ausliefern. "Bis zur dritten Jännerwoche sollten wir bei zwei Millionen pro Woche liegen", zitiert das Blatt einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter. London hatte mehr als 100 Millionen Dosen bestellt.

Die britische Regierung hatte den im eigenen Land entwickelten Impfstoff erst diese Woche als erstes Land weltweit zugelassen, obwohl es Unregelmäßigkeiten bei den vorgeschriebenen Studien gab. Die EU-Kommission zögert derweil noch, sie will weitere Studienergebnisse abwarten.

Der Impfstoff von AstraZeneca hat gegenüber dem in den USA und der Europäischen Union zugelassenen Impfstoff der Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer vor allem logistische Vorteile. Das Vektorvakzin muss nämlich nicht bei tiefen Temperaturen gelagert werden und kostet auch nur ein Zehntel des deutsch-amerikanischen Impfstoffes.

Indien gibt grünes Licht für britisches Vakzin

Am Samstag hat auch Indien den von AstraZeneca und der Universität Oxford entwickelten Corona-Impfstoff per Notfallzulassung freigegeben. Damit ist der Weg frei für eine breit angelegte Impfkampagne in dem Land, das mit 1,35 Milliarden Einwohnern die zweitgrößte Bevölkerung weltweit hat. In den ersten sechs bis acht Monaten sollen 300 Millionen Menschen geimpft werden. Mindestens drei weitere Impfstoffe warten laut Regierung noch auf ihre Zulassung. Indien verzeichnet über zehn Millionen nachgewiesene Ansteckungsfälle, das ist weltweit der zweithöchste Wert nach den USA.

Neue Teststationen in England

In Großbritannien werden derweil nicht nur die Impf-, sondern auch die Testkapazitäten erhöht. Um Lkw-Fahrer vor der Fahrt über den Ärmelkanal oder durch den Eurotunnel auf das Coronavirus zu testen, wurden am Wochenende 20 neue Standorte errichtet, wie Verkehrsminister Grant Shapps am Samstag mitteilte. Weitere sollten in der kommenden Woche folgen.

Kurz vor Weihnachten war es zu erheblichen Staus in der südostenglischen Grafschaft Kent gekommen, nachdem Frankreich seine Grenze vorübergehend komplett geschlossen hatte. Anlass war die Ausbreitung der mutierten Coronavirus-Variante. Seitdem müssen Lkw-Fahrer vor der Einreise nach Frankreich das negative Ergebnis eines Corona-Schnelltests vorlegen. (APA/dpa/Reuters)