Die italienische Caritas hat vor einer "humanitären Katastrophe" für Migranten auf der Balkanroute gewarnt. Deren Lage verschlechtere sich angesichts der schwierigen Wetterbedingungen sowie des ständigen Wechsels von Flüchtlingscamps. Die minimalen Bedingungen für ein würdevolles Überleben seien nicht mehr vorhanden, hieß es in einem Schreiben, das am Montag veröffentlicht wurde.

Hunderte Flüchtlinge wurden obdachlos

Besonders dramatisch ist laut NGOs und der EU-Kommission die Lage im provisorischen Flüchtlingslager Lipa im Nordwesten Bosniens. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hatte im Dezember die Räumung des Camps beschlossen, nachdem sich die bosnischen Behörden geweigert hatten, es winterfest zu machen. Es gab dort laut NGOs weder fließendes Wasser noch Heizung. Die rund 1000 Flüchtlinge sollten daher umgesiedelt werden. Doch die Verlegung in feste Unterkünfte im Landesinneren scheiterte am Widerstand der Behörden und der Bevölkerung.

Inzwischen hat die bosnische Armee damit begonnen, im Elendslager Lipa Zelte zu errichten. Die Menschen sollen nun weiter in dem eigentlich geräumten und teilweise abgebrannten Camp 25 Kilometer südöstlich der Stadt Bihac bleiben, berichtete das Nachtichtenportal "klix.ba".

Behörden lehnen Umsiedlung ab

"Die Situation ist vollkommen inakzeptabel", erklärte der EU-Sondergesandte für Bosnien, Johann Sattler, nach einem Treffen mit dem bosnischen Sicherheitsminister Selmo Cikotic. Die EU-Kommission fordert die Wiedereröffnung eines anderen Flüchtlingslagers in einer verlassenen Fabrik in Bihac. Dort gebe es Heizung, Strom, fließendes Wasser und Plätze für 1.500 Menschen, hieß es in Brüssel. Die EU hat bereits finanzielle Unterstützung gegeben und weitere zugesagt. Doch die lokalen Behörden winkten ab. Vergangene Woche wollten sie die Flüchtlinge stattdessen mit Bussen in eine ehemalige Kaserne im Süden des Landes bringen. Die Flüchtlinge konnten die Busse an ihrem Zielort jedoch nicht verlassen, da Anrainer dort gegen ihre Ankunft protestierten. (APA/AFP)