Frankreichs Premier Jean Castex würde sich mit AstraZeneca impfen lassen, wenn die Europäische Arzneimittelagentur wieder Grünes Licht für den Impfstoff gibt. "Bisher hatte ich mir vorgenommen, mich impfen zu lassen, wenn ich an der Reihe bin, und keinen Freifahrtschein zu bekommen", sagte er am Dienstagabend dem Sender BFM TV. Angesichts dessen, was gerade passiere, sei es aber vernünftig, sich schnell impfen zu lassen, um den Menschen ein Gefühl der Sicherheit zu geben.

Frankreich hatte wie zahlreiche andere EU-Staaten die Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca zuletzt ausgesetzt. Hintergrund waren Berichte über Blutgerinnsel in zeitlichem Zusammenhang mit dem Impfprozess. Sobald die Aussetzung aufgehoben sei, werde er sich mit AstraZeneca impfen lassen, betonte Castex auch bei Twitter. Mit Blick auf Verzögerung bei Impfstofflieferungen sagte der Regierungschef an die Europäische Union gerichtet: "Europa muss Zähne zeigen." Die Verzögerungen seien nicht normal, Europa müsse sicherstellen, dass die Labore die vertraglichen Verpflichtungen einhielten.

Castex betonte außerdem, dass strengere Maßnahmen für den Großraum Paris auf dem Tisch lägen. Die Situation dort sei "besorgniserregend und kritisch". Die Stadt Paris hatte sich zuletzt gegen einen Wochenend-Lockdown gesträubt. Dieser gilt in Nizza und Dunkerque (Dünkirchen). Es gebe keinen Grund, warum dort nicht auch Maßnahmen ergriffen werden sollten, die auch anderswo angewendet würden, sagte Castex mit Blick auf den Großraum Paris.

Präsident Emmanuel Macron hatte vor einem Jahr den ersten strengen Lockdown in Frankreich verhängt. Das Land, in dem rund 67 Millionen Menschen leben, ist schwer von der Corona-Pandemie getroffen. Mehr als 91 000 Tote wurden bisher im Zusammenhang mit Corona registriert. (apa)