Belgien gedenkt am Montag der Opfer der islamistischen Anschläge vor fünf Jahren. Bei den Angriffen am Brüsseler Flughafen und in einer Metrostation am 22. März 2016 waren 32 Menschen getötet und 340 weitere verletzt worden. Unter anderem wegen Überschneidungen mit den Ermittlungen zu den Anschlägen von Paris wenige Monate zuvor ist die juristische Aufarbeitung längst nicht abgeschlossen. Ein Überblick über die verschiedenen Prozesse:

Prozess gegen Salah Abdeslam

Dem einzigen überlebenden Attentäter von Paris wurde in Belgien der Prozess wegen Schüssen auf Polizisten gemacht. Er wird auch mit den Brüsseler Anschlägen in Verbindung gebracht.

Nach den Paris-Anschlägen im November 2015 wurde der Franzose mit marokkanischen Wurzeln international gesucht. Im März 2016 - eine Woche vor den Brüsseler Anschlägen - war er in einem Vorort der belgischen Hauptstadt in eine Schießerei verwickelt, bei der mehrere Polizisten verletzt wurden. Drei Tage später nahmen die belgischen Behörden ihn fest und lieferten ihn später nach Frankreich aus.

2018 verurteilte ein Brüsseler Gericht den heute 32-Jährigen und seinen Komplizen Sofiane Ayari wegen der Schießerei jeweils zu 20 Jahren Haft.

Hauptprozess in Frankreich

Abdeslam steht auch im Zentrum des Mammutprozesses um die Pariser Anschläge in Frankreich, der am 8. September 2021 beginnen und etwa sechs Monate dauern soll. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft will außerdem 19 weitere Verdächtige anklagen, die den Islamisten geholfen haben sollen. Mehrere der Angeklagten haben wie Abdeslam persönliche Verbindungen nach Belgien.

An dem Prozess wollen mehr als 1.700 Zivilkläger teilnehmen. Die meisten von ihnen sind Angehörige der Opfer oder Überlebende. Sie erhoffen sich Aufklärung über die französisch-belgische Terrorzelle mit Verbindungen zur IS-Miliz in Syrien, die nach den Erkenntnissen der Ermittler für beide Anschlagsserien verantwortlich war.

Hauptprozess in Belgien

Nach jahrelangen Ermittlungen entschied die belgische Justiz Anfang dieses Jahres, zehn Männer wegen direkter Beteiligung an den Brüsseler Anschlägen oder deren Vorbereitung vor ein Schwurgericht zu bringen. Unter den Angeklagten ist auch Abdeslam.

Weitere Hauptverdächtige sind Mohamed Abrini und Osama Krayem. Abrini soll vorgehabt haben, sich am Brüsseler Flughafen in die Luft zu sprengen, tat dies jedoch nicht. Krayem begleitete den anderen Selbstmordattentäter auf dem Weg zur U-Bahnstation, bevor er umkehrte.

Oussama Atar, belgische Staatsbürger und zeitweise hochrangiges Mitglied der Jihadistenmiliz Islamischer Staat, wird in Abwesenheit vor Gericht gestellt. Er soll die Anschläge geplant haben und spielt auch im Verfahren zu den Angriffen in Paris eine wichtige Rolle. Er soll in Syrien gestorben sein.

Wegen der Verflechtungen mit den Pariser Anschlägen werden die belgischen Geschworenen wohl erst nach Abschluss des Prozesses in Frankreich in voraussichtlich zwei Jahren ihre Arbeit aufnehmen. Für das riesige Verfahren mit über 700 Nebenklägern wurde das hoch gesicherte ehemalige NATO-Hauptquartier in der belgischen Hauptstadt umfunktioniert.

Brüsseler Nebenprozess zu Paris-Anschlägen

Im Komplex der beiden Anschlagsserien macht die belgische Justiz zudem 14 mutmaßlichen Komplizen der Attentäter von Paris den Prozess. Die Verdächtigen sollen die Attentäter vor oder nach den Angriffen in der französischen Hauptstadt größtenteils von Belgien aus materiell oder durch die Bereitstellung von Unterkünften unterstützt haben.

Einige von ihnen stehen auch in Verbindung mit den Anschlägen in Brüssel. Unter ihnen ist ein Cousin von Abdeslam, der den Paris-Attentäter vor dessen Festnahme beherbergt haben soll. Der Prozess könnte noch in diesem Jahr zeitgleich mit dem Hauptprozess in Paris stattfinden. (apa/AFP)