Die Bilanz des schweren Seilbahnunglücks unweit des Lago Maggiore in der norditalienischen Region Piemont wird immer blutiger: 14 Todesopfer und einen Schwerverletzten meldeten die Rettungseinheiten am Sonntag. Ein verletzter Bub im Alter von neun Jahren erlag am Abend im Krankenhaus von Turin den schweren Wunden, die er sich beim Absturz der Seilbahn-Kabine auf der Strecke Stresa-Mottarone zugezogen hatte.

Ein weiterer Bub im Alter von fünf Jahren, der ebenfalls schwer verwundet im Krankenhaus von Turin liegt, kämpfe gegen den Tod, berichteten die Ärzte. Er wurde mit schweren Frakturen ins Spital eingeliefert. Die Seilbahn war circa 100 Meter vor Ankunft am Berg Mottarone abgestürzt. An Bord befanden sich 15 Menschen.

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Eine vierköpfige Familie israelischer Herkunft, die in der lombardischen Stadt Pavia lebte, und ein iranischer Staatsbürger zählen zu den Todesopfern des Seilbahnunglücks am Lago Maggiore, bei dem am Sonntag 13 Menschen und Leben gekommen sind. Zu den Toten zählt auch ein zweijähriger Bub, teilten die Rettungseinheiten mit.

Untersuchungskommission wurde eingerichtet

Eine Untersuchungskommission wurde eingerichtet, um die Ursachen des Seilbahnunglücks zu ergründen. Die Gondel der bei Touristen beliebten Seilbahn war nach Angaben der Behörden am Sonntag auf dem Weg von der Kleinstadt Stresa zum Gipfel des Berges Mottarone, als sie gegen Mittag aus rund 20 Metern Höhe abstürzte. Die Ursache des Unglücks war zunächst unklar. Stresas Bürgermeisterin Marcella Severino sagte dem Sender RAI, Wanderer in der Nähe hätten vor dem Absturz ein lautes Zischen gehört, was auf einen Riss des Seiles hindeuten könne. Dann sei die Gondel nach ihrem Aufprall noch ein Stück den bewaldeten Berghang hinuntergerollt. Viele Menschen seien in der Gondel eingeschlossen und andere hinausgeschleudert worden.

Wegen des steilen Geländes gestaltete sich die Bergungsaktion problematisch. Ein Foto der Feuerwehr zeigte die abgestürzte Kabine in einem Waldstück. Laut Bergrettung waren zwei Hubschrauber im Einsatz.

Alle Straßen, die zum Mottarone-Berg auf einer Höhe von circa 1.420 Meter führen, wurden geschlossen, um die Bergungsarbeiten zu erleichtern. Über die Identität der Opfer gab es vorerst keine Informationen.

Nach dem Lockdown infolge der Pandemie war die 1970 errichtete Seilbahn erst am 24. April geöffnet worden. Sie verbindet Stresa, eine der bekanntesten Ortschaften am Lago Maggiore, mit dem Mottarone-Berg und fährt im 20-Minuten-Takt. Die Seilbahn war 2014 wegen Instandhaltungsarbeiten geschlossen und 2016 wieder in Betrieb gesetzt worden.

Wegen des schönen Wetters waren unzählige Touristen am Sonntag mit der Seilbahn unterwegs, um von der Spitze des Mottarone-Bergs die Aussicht über den Lago Maggiore zu genießen. Seit diesem Wochenende sind in Italien nach einem 14-monatigen Stillstand wieder Skianlagen in Betrieb.

Der italienische Premier Mario Draghi äußerte wegen des "tragischen Unglücks" seine Bestürzung. Er kondolierte im Namen der Regierung den Familien der Opfer. Er sei mit den Rettungseinheiten in Kontakt, schrieb Draghi auf Twitter. Auch Außenminister Luigi Di Maio und andere Mitglieder aus dem Kabinett Draghi zeigten sich via Twitter bestürzt über das Unglück.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz drückte Italien seine Nähe aus. "Meine Gedanken sind nach dem tragischen Seilbahnunglück am Lago Maggiore bei Italien. Ich spreche den Familien und Freunden der Opfer mein aufrichtiges Beileid aus und wünsche den Verletzten eine baldige Genesung", so Kurz per Twitter.

EU-Ratschef Charles Michel kondolierte den Familien der Todesopfer ebenfalls. "Ich spreche allen Familien und Freunden, die beim tragischen Seilbahnunfall in Stresa am Lago Maggiore einen geliebten Menschen verloren haben, mein tiefstes Beileid aus. Europa trauert mit Ihnen. Ich wünsche den Überlebenden eine baldige Genesung. Bleiben Sie stark!", so Michel in einer Botschaft auf Italienisch via Twitter.

"In dieser Zeit der Trauer schließe ich mich den Angehörigen und Freunden der Opfer des tragischen Seilbahnunglücks an. Meine Gedanken und die des Europäischen Parlaments sind bei Ihnen", schrieb David Sassoli, Präsident des Europäischen Parlaments in einem Tweet. Er forderte, dass "sofort Klarheit über die Ursachen dieser absurden Tragödie" gemacht werde.