Ein Baggerfahrer beginnt mit Aufräumarbeiten in Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz am Tag nach dem Unwetter mit Hochwasser. Mindestens sechs Häuser wurden durch die Fluten zerstört. 
- © APA/dpa/Thomas Frey

Ein Baggerfahrer beginnt mit Aufräumarbeiten in Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz am Tag nach dem Unwetter mit Hochwasser. Mindestens sechs Häuser wurden durch die Fluten zerstört.

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Ganze Landstriche sind überflutet, Orte von der Außenwelt abgeschnitten, Häuser eingestürzt: Nach Dauerregen im Westen Deutschlands sind fast 60 Menschen ums Leben gekommen.

"So eine Katastrophe haben wir noch nicht gesehen. Es ist wirklich verheerend", sagte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer (SPD) in Mainz.

Im Kreis Ahrweiler in Rheinland Pfalz sind durch Hochwasser nach Polizeiangaben mittlerweile 18 Todesopfer zu beklagen. Zahlreiche Personen seien zudem als vermisst gemeldet, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Besonders schwer vom Hochwasser getroffenen ist dort der  Eifel-Ort Schuld. In dem Ort waren den Angaben zufolge in der Nacht auf Donnerstag sechs Häuser eingestürzt. Eine Vielzahl an Häusern sei instabil, es bestehe Einsturzgefahr.  Etwa 50 Menschen hätten sich auf Dächer in Sicherheit gebracht und müssten nun gerettet werden.

Die Kyll trat in Erdorf in Rheinland-Pfalz über die Ufer und flutete Teile des Dorfes. 
- © APA/dpa/Harald Tittel

Die Kyll trat in Erdorf in Rheinland-Pfalz über die Ufer und flutete Teile des Dorfes.

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Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist die Situation wegen Hochwassers nach Angaben eines Kreis-Sprechers extrem gefährlich. In Messerich in der Eifel wurden nach Angaben des Kreises zwei Helfer des Technischen Hilfswerks von den Fluten eingeschlossen, es besteht Lebensgefahr, wie der SWR berichtete.

Im Kreis Euskirchen im Südenwesten Nordrhein-Westfalens starben Polizeiangaben zufolge acht Menschen im Hochwasser. Die Lage in Schleiden, Gemünd, Oberhausen sei sehr kritisch, hieß es. Es werde Wasser aus der Steinbachtalstelle abgepumpt. Die A61 wurde in dem Bereich gesperrt, da der Bruch der Talsperre drohe. Erschwerend komme hinzu, dass der Notruf 112 nicht erreichbar sei.

Im Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen starb ein Feuerwehrmann bei dem Versuch, einen ins Wasser gestürzten Mann zu retten. Ein weiterer Feuerwehrmann kollabierte im Einsatz und verstarb.

Schwer getroffen wurde auch die Stadt Solingen im Bergischen Land. Der Ortsteil Unterburg wurde Polizeiangaben zufolge wegen Überflutungen abgeriegelt, 600 Menschen mussten ihre Häuser verlassen und wurden in Hotels untergebracht. Rettungskräfte befreiten einen Mann aus einem Kellerschacht. Er verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus, wie die Polizei mitteilte.

In Köln wurden zwei Menschen aus überfluteten Kellern tot geborgen.

Evakuierung von Krankenhaus

Wegen einer Störung der Stromversorgung musste in Leverkusen ein Krankenhaus komplett evakuiert werden. Betroffen seien 468 Menschen, teilte das Klinikum Leverkusen Donnerstag früh mit. Die Maßnahme sei mit der Feuerwehr abgesprochen. Alle Operationen, Termine und Eingriffe seien abgesagt. Auch das Krankenhaus in Eschweiler bei Aachen wurde evakuiert. Intensivpatienten würden per Rettungshubschrauber vom Dach abgeholt und in andere Kliniken gebracht, sagte eine Sprecherin der Städteregion am Donnerstag.

Unwetter in Nordrhein-Westfalen: Ein Auto ist vom Schutt bedeckt. 
- © APA, dpa, Roberto Pfeil

Unwetter in Nordrhein-Westfalen: Ein Auto ist vom Schutt bedeckt.

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Am Abend hatten die Behörden im Landkreis Ahrweiler extremen Starkregen gemeldet. Die Feuerwehr Koblenz half zusammen mit dem Technischen Hilfswerk Lahnstein und der Feuerwehr Mainz aus, um 800 Sandsäcke pro Stunde zu füllen. Diese wurden mit sechs Lkw in den Landkreis Ahrweiler gebracht.

Es sei mit Sturzfluten und Überflutungen zu rechnen, hieß es. Auf dem Campingplatz "Stahlhütte" in Dorsel (Kreis Ahrweiler) und weiteren Anlagen entlang der Ahr mussten Personen von den Dächern ihrer Campingwagen gerettet werden.

Aktue Lebensgefahr

Darüber hinaus haben nach enormen Regenfällen die Behörden im Bergischen Land einen unkontrollierten Überlauf der Wupper-Talsperre bei Radevormwald befürchtet. Einsatzkräfte der Feuerwehr können das Wasser mittlerweile jedoch kontrolliert ablaufen lassen, teilte ein Sprecher der Leitstelle Oberbergischer Kreis am frühen Donnerstagmorgen mit. Durch das Ablassen soll Druck vom Sperrdeich genommen werden.


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Der Oberbergische Kreis hatte am Abend unter der Überschrift "Evakuierung" davor gewarnt, dass der Wasserstand der Wupper im Stadtgebiet von Radevormwald in kurzer Zeit sehr stark anschwellen werde und von "akuter Lebensgefahr" gesprochen. Personen sollten sich in der Nacht nicht in der Nähe der Wupper, insbesondere nicht in Muldenlagen aufhalten.

Auch in Trier hat die Polizei die Menschen eindringlich dazu aufgerufen, den Stadtteil Ehrang wegen Überflutungen zu meiden. Es bestehe Lebensgefahr, warnte die Polizei am Donnerstag per Twitter. Nach Angaben der Stadt Trier läuft aktuell der Ortskern von Ehrang voll.

Merkel "erschüttert", Hilfe für die Kommunen

"Ich bin erschüttert über die Katastrophe, die so viele Menschen in den Hochwasser​gebieten durchleiden müssen," sagte Kanzlerin Angela Merkel, die auf Staatsbesuch in Washington ist, auf Twitter. "Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten und Vermissten. Den vielen unermüdlichen Helfern und Einsatzkräften danke ich von Herzen."

Bund und Länder sicherten den Kommunen finanzielle Hilfen zu. "Die Menschen im Katastrophengebiet sind in Not, die Schäden sind immens", sagte Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. "Da muss der Bund mit anpacken. Ich werde alles dafür tun, dass auch der Bund finanzielle Hilfe leistet."

Auch NRW Ministerpräsident Armin Laschet will den Kommunen unter die Arme greifen. "Hilfe des Landes ist erforderlich", sage der CDU-Vorsitzende. "Wir werden die Kommunen, die betroffenen, nicht alleine lassen." Die Schäden seien allerdings noch nicht messbar. Er habe für Freitag das Landeskabinett zusamengerufen, um die Lage zu analysieren. Auch der Innenminister von Rheinlad Pfalz, Roger Lewentz sicherte die Hilfe des Landes zu. Die Landesregierung sei selbstverständlich an der Seite derer, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen und Hab und Gut verloren haben." Das Unwetter hat unser Land hart getroffen. Ich bange mit allen, die in Gefahr sind", erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. "Ich danke allen Helferinnen und Helfern, Feuerwehren und Einsatzkräften, die unermüdlich mit großem Einsatz gegen die Wassermassen kämpfen."

Die Deutsche Bahn rief Reisende auf, Fahrten von und nach Nordrhein-Westfalen nach Möglichkeit zu verschieben. Durch die extremen Niederschläge seien Gleise überflutet, Betriebsanlagen seien beschädigt worden. Eine Erfassung der Unwetterschäden sei vielerorts erst mit abfließenden Wassermassen möglich. (apa, dpa, reuters)