Unter dem Motto "Hole Dir Deine Zukunft zurück" sind am Samstag Tausende Menschen beim 26. ungarischen Pride-Festival mit Regenbogenfahnen durch Budapest gezogen. Unter einem hohen Polizeiaufgebot verlief der Marsch bisher ohne namhafte Zwischenfälle. Der Marsch soll laut Organisatoren dazu beitragen, auf die in der Gesellschaft vorhandene Beklemmung und Apathie zu reagieren.

Unter den Teilnehmern des Pride-Marsches befinden sich auch Vertreter der Oppositionsparteien. Neben dem Chef-Organisator des Festivals, Mate Hegedüs, wird auch der sozialliberale Budapester Oberbürgermeister Gergely Karancsony sprechen. Für den Abend haben die Organisatoren die größte Rainbow-Party Ungarns angekündigt.

Versuche von Gegendemonstranten, das Festival zu stören, konnten mittels Polizeiaufgebot verhindert werden.

Ungarns Versuch, die Menschenrechte zu beschneiden

Die letzten Monate waren in Ungarn geprägt von Auseinandersetzungen um die Rechte der LGBTIQ-Community. Erst in dieser Woche kündigte Premier Victor Orban an, das aktuelle Gesetz, durch das positive Erwähnungen über sexuelle Vielfalt vor Minderjährigen unter Strafe gestellt wird, nach massiver EU-Kritik einer Volksabstimmung zu unterziehen.

Auch eine österreichische Delegation hat angekündigt, nicht nur an der Pride-Demonstration teilzunehmen, sondern sich gemeinsam mit sozialdemokratischen Abgeordneten aus Europa auch mit zahlreichen Aktivisten und Politikern aus Ungarn zu treffen und weitere Solidaritätsaktionen zu planen.

"Unsere volle Solidarität gilt der ungarischen LGBTIQ-Community und der PRIDE Demonstration, die heute in Budapest stattfindet! Um die Aktivist*innen vor Ort zu unterstützen, senden wir daher heute eine 30-köpfige Delegation nach Budapest und zeigen, dass Österreich und Europa an der Seite der Zivilgesellschaft in unserem Nachbarland steht", betonten der Vorsitzende der sozialdemokratischen LGBTIQ-Organisation SoHo, Mario Lindner, und die Präsidentin des europäischen LGBTIQ-Verbandes Rainbow Rose, die Österreicherin Camila Garfias, in einer Aussendung.

Tausende feierten Christopher Street Day in Berlin

 

Ausgelassen und bunt verkleidet haben sich in Berlin-Mitte tausende Menschen für den Christopher Street Day versammelt. Trotz Alkoholverbots und strenger Sicherheitsauflagen wegen der Corona-Pandemie feierten und tanzten die Menschen am Samstag zu Techno-Bässen von mehreren Lastwagen und demonstrierten für die Rechte von Homosexuellen. Immer wieder riefen die Organisatorinnen und Organisatoren über Lautsprecher dazu auf, die Maskenpflicht sowie Abstände einzuhalten.

Auch die Polizei machte die Teilnehmenden unter anderem über Twitter auf die geltenden Bestimmungen aufmerksam. Viele der Feiernden trugen Mund-Nasen-Schutz in Regenbogenfarben.

"Durch die Pandemie wird die diesjährige Demonstration ihren Fokus auf eine nahezu reine Demo mit Protestzug-Charakter legen", hatten die Veranstalter zuvor angekündigt. Die Partystimmung ließen sich die Demonstranten davon indes nicht austreiben. Aber auch Plakate hatten sie dabei, darauf stand etwa "Free Britney" (zu einem Foto von Britney Spears) oder "Allah loves Equality".

Der Zug setzte sich am frühen Samstagnachmittag in der Leipziger Straße in Bewegung und zog zunächst in Richtung Potsdamer Platz. Die Route geht vorbei am Brandenburger Tor in Richtung Siegessäule und soll an der Urania in Berlin-Schöneberg enden. Die Polizei rechnete mit rund 20.000 Teilnehmenden.

Die CSD-Parade geht auf die Ereignisse Ende Juni 1969 in New York zurück: Polizisten stürmten damals in Manhattan die Homosexuellen-Bar "Stonewall Inn" in der Christopher Street und lösten einen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen gegen willkürliche Kontrollen und Schikanen aus. (apa/dpa)