In Tschechien kam es heute zu einem frontalen Zusammenstoß zwischen einem aus München kommenden Expresszug und einem tschechischen Personenzug. Der sogenannten Regioshark befand sich auf dem Weg von Pilsen nach Domazlice an der deutschen Grenze. Zu dem Zusammenstoß kam es bei dem Dorf Milavce zwischen den Stationen Blizejov und Domazlice. Drei Menschen seien bei dem Unglück ums Leben gekommen. Darunter die beiden Lockführer, beide tschechische Staatsangehörige, und eine Frau aus dem Regionaltriebwagen.

Die tschechischen Zugstrecken benötigen eine Modernisierung. 
- © APA / HARALD SCHNEIDER

Die tschechischen Zugstrecken benötigen eine Modernisierung.

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Es wurden zehn Menschen mit schweren bis lebensgefährlichen Verletzungen in tschechische Krankenhäuser gebracht. Zudem erlitten mehr als 30 Personen leichtere Verletzungen wie Schürfwunden und Prellungen. Auch aus Deutschland wurde medizinische Hilfe geschickt. Zudem wurden vier Deutsche zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus nach Bayern gebracht.

Viele der Passagiere standen unter Schock und mussten psychologisch betreut werden. Sie wurden bis zur Weiterreise einstweilen in einem Gemeindehaus untergebracht. Der tschechische Verkehrsminister eilte sofort an die Unfallstelle und lobte die Reaktion der Rettungskräfte, die schnell mit Dutzenden Helfern und vier Rettungshubschraubern an Ort und Stelle gewesen seien. Auch Tobias Muhr vom Bayerischen Roten Kreuz lobte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. "Jeder weiß, was hier zu tun ist", sagte er.

Missachtete Haltesignale

Der Anblick der verunglückten Züge macht die Wucht des Aufpralls deutlich: Die Führerstände der Lokomotive und des Triebwagens wurden völlig zerstört und tief eingedrückt. "Plötzlich gab es einen furchtbaren Schlag und alles ist durch die Gegend geflogen", sagte ein Augenzeuge. Erste Erkenntnisse zeigen, dass der Expresszug München-Prag zunächst ein Langsamfahrt- und im Weiteren ein Haltesignal missachtet habe. Danach kam es auf der eingleisigen Strecke mit dem Triebwagenzug zu einer Kollision. Es wurden bereits Ermittlungen seitens der tschechischen Eisenbahninspektion eingeleitet, die mehrere Monate in Anspruch nehmen dürften. Auch ein technischer Defekt werde nicht ausgeschlossen, hieß es. Die Sicherungstechnick im tschechischen Eisenbahnnetz gilt vielerorts als veraltet und Unfälle passieren immer wieder. Ein ähnlicher Fall ereignete sich erst vor einem Jahr als zwei Züge im Erzgebirge frontal kollidierten. Nun hat die Regierung in Prag ein Modernisierungsprogramm der Signaltechnik angekündigt, das für die Installation des modernen europäischen Zugsicherungssystem ETCS bis 2025 auf zumindest allen Hauptkorridorstrecken sorgen soll. Bislang verfügen nur 200km des Streckennetztes über dieses System. 

Die Strecke muss nun mindestens bis Freitagabend gesperrt werden. Der Sachschaden des Zugsunglücks beläuft sich nach ersten Schätzungen auf Millionen. Der verunglückte Zug startete in München als Garnitur des deutschen Unternehmens Länderbahn und wurde an der Grenze vom Personal der tschechischen Staatsbahn Ceske Drahy (CD) übernommen. Eisenbahnrechtlich habe der Zug daher in der Verantwortung der CD gestanden. (apa)