Die sternenklare Nacht hat sich schon über die archäologische Stätte in Olympia gelegt, eines der heiligsten und herrlichsten Heiligtümer der Antike. Man gerät leicht ins Schwitzen, auch wenn die zuvor unbarmherzig glühende Sonne hinter den Bergen untergegangen ist. Es ist schwülheiß in der Nacht von diesem Montag auf Dienstag. Immerhin: Es herrscht absolute Windstille. Zum Glück.

Bianca Ernst, 24, blond, Pferdeschwanz, schaut durch eine Wärmebildkamera auf das weitläufige Areal. Hochkonzentriert ist sie dabei. "24, vielleicht 25 Grad Celsius. Alles im grünen Bereich", sagt sie. Das bedeutet: Es droht keine Brandgefahr, im Augenblick jedenfalls. Weiter geht es zum nächsten Kontrollpunkt. Bianca Ernst ist aus Salzburg, aber sie ist keine Touristin. Sie patrouilliert mit ihren Kameraden Paul Moser und Gottfried Islitzer in der weltberühmten archäologischen Stätte. Ihre Aufgabe: die Glutwache. Nach einem Feuer sei das von enormer Bedeutung, damit keine neuen Feuer entstehen, wie Experten bestätigen.

- © Batzoglou
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Die Salzburgerin ist von Beruf Polizistin, Moser ist Tischler ebenfalls aus Salzburg, Islitzer ist Elektriker aus Prägraten in Osttirol. Alle sind Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, für alle ist es ihr erster Auslandseinsatz.

"Da will ich dabei sein"

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"Ich hatte gerade Streifendienst in der Alpenstraße in Salzburg, als mich die SMS mit dem Aufruf für den Feuerwehreinsatz in Griechenland erreichte. Mein Chef hat mir die Erlaubnis gegeben, mein Freund sagte mir noch: ‚Bianca, aufpassen!‘ Schließlich waren die Bilder von den Waldbränden in Griechenland dramatisch", offenbart Bianca Ernst. Doch für sie sei sofort klar gewesen: "Da will ich dabei sein."

Österreichische Freiwillige bei der Nachbrand-Bekämpfung auf dem Peloponnes. - © Batzoglou
Österreichische Freiwillige bei der Nachbrand-Bekämpfung auf dem Peloponnes. - © Batzoglou

Ihr Kamerad Paul Moser opfert mehrere Tage von seinem Urlaub, um bei dem Einsatz auf dem fernen Peloponnes mitzumachen. "Wir sind hier eine große Familie", sagt er. Für Gottfried Islitzer aus Prägraten ist wiederum die chronische Hitze das größte Problem vor Ort. Doch auch er hält durch.

Die Griechen haben Hilfe bitter nötig. Ob im Norden der Halbinsel Euböa, im Norden von Attika oder auf dem Peloponnes: Allein in Griechenland sind heuer in Summe mehr als 120.000 Hektar Land verbrannt. Bis dato.

Der Auftrag für den Hellas-Einsatz des Teams Austria kam vom Innenministerium in Wien. Am Montag voriger Woche machten sich 39 Feuerwehrleute aus Salzburg und Tirol mit zwölf Fahrzeugen, darunter vier Tanklöschfahrzeugen mit 3.000- und 4.000-Liter-Wassertanks, einem Pumpenfahrzeug sowie einem schweren Rüstfahrzeug mit Kran und Winde, um Bäume auf die Seite heben zu können, auf den Weg in das Brandgebiet in Griechenland. Zuvor hatte die Regierung in Athen den Europäischen Zivilschutz-Mechanismus um Hilfe gebeten.

Gefährliche Glutnester

Zwei Dutzend Staaten meldeten sich. Und auch Österreich sagte den Griechen prompt Hilfe zu. Dass die Freiwillige Feuerwehr in Salzburg den Auftrag erhielt, ist kein Zufall. Sie ist als sogenanntes EU-Modul im Europäischen Zivilschutz-Mechanismus integriert. Die Salzburger sind von der EU dafür extra zertifiziert.

Zuerst ging es für die Kerntruppe aus Salzburg, ergänzt mit fünf Feuerwehrleuten aus Tirol nach Ancona, daraufhin mit der Fähre nach Patras. Am Sonntag löste sie eine zweite Schicht ab, die wieder aus 39 Feuerwehrleuten, darunter zwei Frauen, bestand. Neben den Ausrüstungsgegenständen wurden auch Zelte, Sanitäreinrichtungen, eine Küche sowie Lebensmittel und Getränke mitgenommen. Der klar umrissene Auftrag: "Wir sollten die örtlichen Einsatzkräfte unterstützen, um ein Wiederaufflammen in den Brandgebieten zu verhindern", erklärt Michael Leprich, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Salzburg, der "Wiener Zeitung".

Der Hintergrund ist, dass ein erneutes Aufflammen vor allem durch Glutnester hervorgerufen wird. Sie halten sich im Inneren des Brandguts wie einem Strohhaufen oder dickeren Holzbalken. Denn das Löschwasser dringt oftmals nicht tief genug in das Brandgut ein. So breiten sich dann Glutnester als Schwelbrand unbemerkt wieder aus, bis sich an der Oberfläche des Brandguts erneut offene Flammen bilden. Die Aufgabe der Feuerwehrleute aus Österreich: genau dies verhindern.

Verbrannte Erde

Rechts und links der Straße, die sich zum Camp der österreichischen Feuerwehr im Ort Lalas, 17 Kilometer vom antiken Olymp entfernt, hinauf schlängelt, bietet sich dem Beobachter ein deprimierender Anblick. Verkohlte Bäume, so weit das Auge reicht. Überall Asche. Verbrannte Erde. Acht Tage wütete die Feuersbrunst, etwa 10.000 Hektar Land fielen dem Inferno zum Opfer. Nicht nur dichter Wald, sondern auch Olivenhaine verbrannten. Auch Vieh der Bauern starb. Eine ökologische, aber auch ökonomische Katastrophe für die strukturschwache Region.

Das Camp der österreichischen Feuerwehrleute in Lalas ist in einer Schule untergebracht. Die Flagge der Republik weht im Wind. Der Teamleiter vor Ort ist seit Sonntag Markus Kronreif, ein Oberst des Bundesheeres. Viel Zeit verbringt er im Kommandofahrzeug, das direkt vor der Schule steht. Der rote, 400.000 Euro teure Mercedes der Feuerwehr aus Oberalm südlich von Salzburg ist eine voll ausgestattete Kommandozentrale, der Dreh- und
Angelpunkt für Kronreif und Co bei ihrem Einsatz. Mit Flugfunk, Digitalfunk, Internet, einer eigenen Telefonanlage, Satellitenfunk, Drucker und einem Besprechungsraum.

Neben Olympia haben die Österreicher noch drei weitere Zonen in der Region zu überwachen, wie Kronreifs Stellvertreter Guido Harucksteiner erklärt. Neben den kleinen Orten Lasdikas und Achladini zählt auch der Ort Doukas dazu, fünf Autominuten vom Camp Lalas entfernt. Dort haben die Österreicher in Kooperation mit ihren griechischen Kollegen schon aufwendige Nachlöscharbeiten durchgeführt.

Auf einer Anhöhe steht Christoph Bauer. Der 38-Jährige, von Beruf Mechaniker, ist der Drohnenpilot der Truppe unter dem hiesigen Kommando von Martin Zorec. Bauer lässt die Drohne aufsteigen. Sie fliegt sehr schnell über den gegenüber liegenden, abgebrannten Bergrücken. Ununterbrochen blickt Christoph Bauer auf den Monitor. "Keine Rauchwolken zu sehen."

Die Tiroler Thomas Wechner, 47, und Christian Ihrenberger, 53, zeigen, was sie tun: Wechner schlägt mit seiner Waldbrandhaue in den Boden, damit sein Kollege Christian Ihrenberger einen Strahl aus Löschwasser gezielt und möglichst tief in den Boden spritzen kann.

Die Griechen sind ihnen dafür sehr dankbar. Und das zeigen sie auch ganz offen. Schon der Empfang der Austria-Crew im Fährhafen in Patras war herzlich. "Alle haben uns begrüßt, den Daumen gehoben oder geklatscht. Man kriegt da schon ein echtes Gänsehautfeeling", erzählt Michael Leprich.

Doch nicht nur bei der Ankunft - auch bei ihrem Aufenthalt im antiken Olympia und Umgebung schlägt den Österreichern nur Sympathie entgegen. Sogar Geschenke werden ihnen gemacht, darunter ein Glücksbringer. Der Bürgermeister von Olympia, Georgios Georgiopoulos, richtet in einem Gespräch mit der "Wiener Zeitung" eine Botschaft nach Wien, Salzburg und Tirol: "Mein aufrichtiger Dank gilt der österreichischen Regierung und den Feuerwehrleuten aus Salzburg und Tirol, die hier im Einsatz sind. Die Zusammenarbeit mit unseren Kräften ist hervorragend. Ich höre nur Gutes von der Bevölkerung über die österreichische Feuerwehr", so Georgiopoulos.

"Das tun Freunde"

Dem pflichtet auch Kostas Roumeliotis bei. Schon seit 30 Jahren betreibt er in der Geschäftsstraße in Olympia den Souvenirladen mit dem geschichtsträchtigen Namen "Kotinos", benannt nach dem Olivenkranz, dem Preis für den Sieger bei den antiken Olympischen Spielen. "Die österreichischen Feuerwehrleute helfen uns in der Not. Das tun Freunde. Das schätzen wir sehr. Und das vergessen wir nicht", sagt Roumeliotis.

Den Auftrag hat das Team Austria jedenfalls erfüllt, mit der Bestnote. Vize-Teamleiter Guido Harucksteiner zieht Bilanz: "Überall, wo wir im Einsatz waren, hat es keine neuen Feuer gegeben. Anderswo leider schon."

Am Mittwoch begann die lange Rückreise, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag traf die Gruppe wieder erschöpft in Salzburg und Tirol ein. Wie ist die Stimmung in der Truppe? Guido Harucksteiner kurz, aber einprägsam: "Euphorisch."