Madrid lockt den Besucher mit Museen, historischen Plätzen, Bauwerken und belebten Einkaufsstraßen. Zu empfehlen ist, die 3-Millionen-Einwohner-Metropole in der Hochebene von Kastilien zumindest einen Tag hinter sich zu lassen und die rund 40 Kilometer in nordwestlicher Richtung gelegene Klosterresidenz San Lorenzo de El Escorial zu besichtigen.

Die prächtige Bibliothek im Escorial. 
- © Michael Schmölzer

Die prächtige Bibliothek im Escorial.

- © Michael Schmölzer

Das Gebäude, das als größter Renaissancebau der Welt gilt, wurde vom spanischen König Philipp II. im 16. Jahrhundert erbaut. Wobei die Knochenarbeit natürlich nicht von dem Habsburger sondern von unzähligen Arbeitern unter gestrenger Aufsicht der Architekten Juan Bautista de Toledo und nach dessen Tod Juan de Herrera in geleistet wurde.

Und doch war Philipp mehr als andere Regenten seiner Zeit in die Errichtung des Palastes involviert. Der etwas verkniffene Erzkatholik kümmerte sich ab der Grundsteinlegung persönlich um jedes Detail, jeder Entwurf, jede Abrechnung musste ihm persönlich vorgelegt und bewilligt werden. Aufgrund der Vorliebe Philipps für einen asketischen Lebensstil ist der Escorial ein nüchternes Bauwerk geworden. Er war gleichzeitig Palast, Kloster und Begräbnisstätte, ein ideologisches Bauwerk und Symbol für ein Spanien, das in diesen Tagen die  Vormachtstellung in der Welt innehatte.

Frauenheld und Krieger

Philipp war stets auf die Wahrung seiner Autorität bedacht, misstrauisch und unnahbar, zwischen ihm und den Untertanen lag große Distanz, er regierte sein Reich mit pedantischer Pflichttreue. Der Besuch der prächtigen Basilika im Escorial war allein der königlichen Familie vorbehalten. Philipp und seine jeweilige Frau nahmen einen erhabenen Ehrenplatz unweit des Altars ein. Der Rest des Hofstaates drängte sich im Eingangsbereich.

Am Mercado de San Miguel.

Am Mercado de San Miguel.

Der gesamte Gebäudekomplex umfasst noch heute 2.000 Zimmer, 16 Innenhöfe und 12 Kreuzgänge. Die Basilika und die Wohnräume des Königs sind direkt verbunden, auch in den Gemächern gibt es an jeder Ecke eine kleine Kapelle, an der der Monarch spontan seine Gebete verrichten konnte.  Im Königspalast sind prunkvolle Wandteppiche zu sehen, die die berühmtesten Kämpfe der Spanier gegen die Araber darstellen. Die Bibliothek ist mit Deckenfresken verziert, hier kann man mehr als 40.000 Bücher bestaunen,  deren Seitenenden vergoldet sind.  Im Escorial befindet sich auch die Königsgruft, hier werden die Monarchen und ihre Angehörigen bis zum heutigen Tag bestattet. Davor kommen die Leichname aber in einen eigenen, daneben liegenden und (mit gutem Grund) nicht öffentlich zugänglichen Raum, wo die Verstorbenen bis zu 50 Jahre verwesen.

Im Escorial liegt auch ein gewisser Don Juan de Austria begraben.  Mit dem heutigen Österreich hat er nichts zu tun, aber er besiegte die Osmanen in der blutigen Seeschlacht von Lepanto, bei der er selbst verwundet wurde. Sein Sarg wird von einem steinernen Selbstbildnis geschmückt, an den Fingern trägt der mit 31 Jahren Dahingeschiedene mehr als ein Dutzend Ringe - je einen für je eine ausführliche Frauen-Affäre, wie es heißt.

Drei verheerende Ereignisse

Der Besuch des Escorial nimmt einen vollenTag in Anspruch. Bleibt ein zweiter, empfiehlt sich in jedem Fall eine Besichtigung des historischen Stadtzentrums von Madrid. Hier sollte man sich die eindrucksvolle Plaza Mayor ansehen - ein rechteckiger Platz, 129 Meter lang und 94 Meter breit, komplett mit historischen, viergeschossigen Gebäuden umgeben. In der Mitte thront ein Reiterstandbild Philipps III. Unweit davon befindet sich die Puerta del Sol, wo sich unter anderem jener Null-Kilometerstein befindet, der den Ausgangspunkt einer Distanzmessungen von Madrid bildet. Hier findet sich auch die Casa de Correos, der Sitz der Madrider Regionalregierung, an der drei Steintafeln angebracht sind. Eine im Gedenken an den "Dos de Mayo", den blutigen Aufstand gegen Napoleon im Jahr 1808. Eine, die an die Opfer des Terroranschlags 2004 erinnert und die Dritte, die Spaniens Corona-Toten ein Denkmal setzt.

Eldorado für Feinschmecker

Unweit der Plaza Mayor, im Zentrum Madrids, befindet sich der Mercado de San Miguel, wo Feinschmecker voll auf ihre Kosten kommen. Die Markthalle, ein Eisenbau im Industrie-Stil, wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und 1916 ihrer heutigen Bestimmung zugeführt. Es gibt allerlei Leckereien zu kaufen, man kann gemütlich Platz nehmen und sich ein Bier vom Fass oder einen Wein kredenzen lassen. Der Markt ist nichts für den täglichen Einkauf, alles ist sehr erlesen und teuer: Es gibt Fisch, Käse, Fleisch in allen Variationen. Die hier feilgebotenen Gerichte sind teilweise mit Michelin-Sternen prämiert. Geöffnet hat der Markt von 10.00 Uhr vormittags bis Mitternacht.

Der Ofen im Botin stammt aus dem Jahr 1725. 
- © Michael Schmölzer

Der Ofen im Botin stammt aus dem Jahr 1725.

- © Michael Schmölzer

Ebenfalls ganz in der Nähe der Plaza Mayor, in der Calle de Cuchilleros, wo früher die Messerschmiede ihre Läden hatten, befindet sich auf Nummer 17 das Sobrino de Botin, das angeblich älteste noch existierende Restaurant der Welt. Als Gründungsdatum wird das Jahr 1725 angegeben, hier ist man traditionsbewusst und entsprechend stolz. Immerhin hat der junge Francisco de Goya hier kellneriert. Das Haus ist mehrstöckig und verwinkelt, Spezialität ist gebratenes Ferkel, wobei der Holzofen noch aus dem Gründungsjahr des Betriebes stammen soll. Zunächst, so wird berichtet, durfte im Botin nur das serviert werden, was der Gast selbst mitbrachte. Heute  wird das Restaurant von der Familie Gonzalez geführt. Das vierstöckige Restaurant musste im Zuge der Corona-Krise das erste Mal in seiner fast 300-jährigen Geschichte geschlossen werden, beklagt man hier, der Ofen sei aber trotzdem immer in Betrieb gewesen.

Die Bratferkel, die direkt aus dem Ofen in Küchenregale und von dort zu den teils ausgelassen singenden Gästen verfrachtet werden, stammen aus Segovia nordwestlich von Madrid, die Lämmer aus der Gegend um Sepulveda, es gibt hier aber aber auch Fisch und Muscheln.

Die Stadt aus der Vogelperspektive

Zum Abschluss empfiehlt sich ein Besuch des Museo Nacional Centro de Art Reina Sofia, in dem Pablo Picassos Meisterwerk "Guernica" zu sehen ist - ein Monumentalgemälde, das der Künstler für  den spanischen Pavillon der Weltausstellung 1937 malte und das die als Propaganda-Instrument die Bombardierung der baskischen Stadt Guernica durch Flieger der deutschen Legion Condor zeigt. Der Welt sollte mit dem Werk  die Grausamkeit des spanischen Bürgerkrieges vor Augen geführt werden.

Wer zum Abschied Madrid von hoch oben sehen will, dem sei, möglichst noch bei Tageslicht, ein Besuch der Ginko Sky Bar im Hotel VP Plaza Espagna Design 5* anempfohlen. Im 12. Stock kann man essen, trinken und die Skyline bewundern.


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Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung der Region Madrid und des Davis Cup