Kroatien hatte im Jahr 2021 insgesamt 3,89 Millionen Einwohner. Das zeigen die ersten Ergebnisse der vorjährigen Volkszählung, die am Freitag vom staatlichen Statistikamt veröffentlicht wurden. Im Vergleich zum vorherigen Zensus im Jahr 2011, als rund 4,28 Millionen Einwohner gezählt wurden, ist die Bevölkerungszahl um 9,25 Prozent geschrumpft. Binnen zehn Jahren verlor das Land fast 400.000 Menschen, was kroatischen Medien als katastrophal bezeichnen.

"Heute hat sich bestätigt, dass wir auf den demografischen Ruin zusteuern", lautete ein Titel beim Nachrichtenportal "Tportal". Das Nachrichtenportal "Index" kommentierte die Ergebnisse als eine "historische demografische Katastrophe". Das Regionalsender N1 schrieb auf seiner Internetseite von "verheerenden Volkszählungsdaten".

"Kroatien verschwindet", schrieb "Index". So wenig Einwohner hatte das Land seit 1948 nicht, hieß es weiter. In dem jüngsten EU-Land sinken die Bevölkerungszahlen seit 1991, als 4,78 Millionen Einwohner gezählt wurden. In den letzten 30 Jahren verlor Kroatien fast 19 Prozent der Bevölkerung bzw. mehr als 895.000 Bewohner.

Im Osten fast minus 20 Prozent

Den größten Bevölkerungsrückgang in den letzten zehn Jahren wurde im Osten des Landes verzeichnet. In der Gespanschaft (Bundesland) Vukovar-Syrmien sank die Bevölkerungszahl um 19,5 Prozent, Brod-Posavina verlor 17,5 Prozent seiner Population. Auch die Gespanschaft Sisak-Moslavina im Zentralkroatien verzeichnete mit 18,5 Prozent einen der größten Einbrüche. Alle 20 Gespanschaften verzeichneten einen Rückgang, in zwölf davon war dieser höher von zehn Prozent gewesen, berichteten die Medien. Nur drei kroatische Städte haben mehr als 100.000 Einwohner. Neben der Hauptstadt Zagreb (knapp 770.000), noch die Küstenstädte Split (rund 161.000) und Rijeka (knapp 109.000).

Kroatische Demografen, die seit Jahren über schlechte demografische Trends sprechen, bezeichneten die Zahlen als erwartet. "Es ist eine unglaubliche Katastrophe für Kroatien, 400.000 Einwohner zu verlieren," kommentierte der Demograf Stjepan Sterc zum N1.

Der Bevölkerungsrückgang wird unter anderem auf die Auswanderung zurückgeführt. Der EU-Beitritt und spätere Arbeitsmarktöffnung erleichterten den Kroaten den Weg in andere EU-Länder. Auf dieses Problem wies in den ersten Kommentaren auch die kroatische Opposition hin. "Man muss offen sagen, dass die Menschen aus dem Land vertrieben wurden", kommentierte die Oppositionsabgeordnete Katarina Peovic von der linken Arbeiterfront bei N1. Die Geburtenrate sei überall niedrig, in Kroatien seien jedoch junge Menschen gezwungen, das Land zu verlassen. "Zum ersten Mal haben wir eine Situation, in der junge Menschen schlechtere Lebensbedingungen haben als ihre Eltern", kritisierte Peovic. (apa)