Zum "Convoi de la Liberté", dem "Konvoi der Freiheit", wird in Sozialen Medien aufgerufen. Sternförmig sollen die Protestierenden nach Paris reisen und am Samstag in der Kapitale eintreffen. Aus einigen anderen französischen Städten hatten sich bereits Konvois auf den Weg gemacht. Doch das Massenereignis fällt aus: Zum Schutz der öffentlichen Ordnung wurden die geplanten Proteste und Blockaden untersagt, teilte die Präfektur am Donnerstag mit.

Nichts wird es mit der Nachahmung des kanadischen Vorbilds. Als vergangenen Monat ein Lkw-Konvoi aus dem Westen Kanadas in Richtung der Hauptstadt Ottawa am anderen Ende des Landes aufbrach, wollten die Trucker zunächst nur gegen eine neue Corona-Impfpflicht für ihren Berufszweig demonstrieren. Nun aber blockieren hunderte Lastwagen seit zwei Wochen das politische Zentrum des Landes.

Im Fokus der Kritik stehen auch in Frankreich verschärfte Regeln für nicht und nicht vollständig Geimpfte. Seit dem 25. Jänner können diese nur noch eingeschränkt am öffentlichen Leben teilnehmen, es greift eine 2G-Regelung.

Hohe Strafen angedroht

Damit es nicht zu Szenen wie in Kanada kommt, kündigt die französische Polizei harte Maßnahmen an. Wer gegen das Zufahrtsverbot verstößt, riskiert nach Behördenangaben zwei Jahre Haft, eine Geldstrafe über 4.500 Euro und Führerscheinentzug.

Nach Paris hat auch Brüssel, Sitz wichtiger EU-Institutionen, die Konvois verboten, gab Bürgermeister Philippe Close bekannt. Dies sei mit dem belgischen Innenministerium abgestimmt worden. Online wurde nämlich die Weiterfahrt von Paris nach Brüssel angekündigt, am Montag sollte eine Kundgebung stattfinden.

Auch in Wien sollte ein Autokonvoi stattfinden, dieser war laut "Der Standard" für Freitag geplant. Am Donnerstagnachmittag wurde das Vorhaben von der Polizei untersagt.

Beim Vorbild Kanada haben sich die Proteste zur Generalabrechnung mit den Corona-Maßnahmen der Regierung des liberalen Premiers Justin Trudeau ausgeweitet. Für Aufsehen sorgte dabei vor allem die zeitweise vollständige Blockade einer wichtigen Grenzbrücke in die amerikanische Industriemetropole Detroit. In der Folge sahen sich mehrere Autofabriken gezwungen, ihre Produktionsstraßen wegen fehlender Bauteile anzuhalten.

Viele der Menschen, die die kanadische Hauptstadt sowie wichtige Wirtschaftrouten lahmzulegen versuchen, werden dem weit rechten Spektrum zugeordnet. Die US-Nachrichtenagentur Associated Press berichtete, vereinzelt seien auch Hakenkreuz-Flaggen zu sehen gewesen. Doch auch Protestierende außerhalb dieses politischen Spektrums stellen sich gegen Trudeaus Maßnahmen.

Nachahmer der Kundgebungen in Kanada gibt es auch in Australien und Neuseeland. (apa/reu)