In Oberösterreich hat der Sturm mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h Donnerstagvormittag zu einer Reihe von Stromausfällen geführt. Verteilt über das Bundesland waren zwischen 15.000 und 20.000 Haushalte vorübergehend ohne Strom, teilte ein Sprecher von Netz OÖ mit. Von 8 bis 13 Uhr waren laut Landesfeuerwehrkommando 197 Wehren mit 2.700 Männern und Frauen zu 470 Einsätzen ausgerückt.

Umgestürzte Bäume oder abgeknickte Äste auf Freileitungen hatten zu den Stromausfällen geführt. Feuerwehren mussten auch immer wieder Personen aus steckengeblieben Aufzügen befreien. In Sierning (Bezirk Steyr-Land) wurde ein Kleinlaster von einer Sturmböe erfasst und auf das Dach geschleudert. Der verletzte Fahrer wurde aus dem eingeklemmten Fahrzeug geborgen. In Ohlsdorf (Bezirk Gmunden) landete ein Lkw im Straßengraben.

An der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gab es in einigen Orten eine Sturmflut. 
- © afp / Daniel Reinhardt

An der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gab es in einigen Orten eine Sturmflut.

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Bahnverbindungen in OÖ teils eingestellt

Hauptsächlich seien die Einsatzkräfte aber damit beschäftigt gewesen, von herbabgefallenen Ästen oder umgestürzten Bäumen blockierte Straßen wieder befahrbar zu machen. Im Mühlviertel wurde wegen der Witterung der Zugverkehr zwischen Rottenegg und Aigen-Schlägl eingestellt. Wegen Unwetterschäden fuhr zwischen Summerau und Freistadt zu Mittag kein Zug mehr. Auch zwischen Wels und Grünau waren keine Bahnfahrten möglich. Auf allen Strecken wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Der Liftbetrieb in Hinterstoder und auf der Wurzeralm war nur mehr eingeschränkt möglich.

Sturm und warme Temperaturen in Teilen Österreichs

Bis in den Nachmittag hinein ist im Norden und Osten Österreichs sowie in den Niederungen mit Böen von 80 bis 100 km/h zu rechnen, vereinzelt auch darüber, warnte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Auf vielen Bergen erreichte der Sturm Orkanstärke mit 120 km/h und mehr. Außerdem war der Donnerstag extrem mild, speziell in Niederösterreich, Wien und dem Burgenland wurden stellenweise knapp 20 Grad erreicht.

In der Nacht auf Freitag sollte der Sturm überall abklingen, berichtete die ZAMG. Als Sturm-Spitzenwerte am Donnerstagvormittag wurden 148,3 km/h am Feuerkogel (Oberösterreich), 145,8 km/h am Buchberg und 142,6 km/h am Semmering/Sonnwendstein (beide Niederösterreich) gemessen. Auf der Jubiläumswarte in Wien schaffte es die Windspitze immerhin auf 127,1 km/h.

Chaos in Deutschland

Gestrichene Flüge, stillgelegte Bahnverbindungen und Tausende Haushalte zwischenzeitlich ohne Strom: Das Sturmtief "Ylenia" hat in der Nacht auf Donnerstag Deutschland erreicht und für erhebliche Probleme in weiten Teilen des Landes gesorgt. In Hamburg wurde Donnerstagfrüh der Fischmarkt von einer Sturmflut überschwemmt. In der Nordhälfte Deutschlands wurde der Bahn-Fernverkehr bis zur Mittagszeit ausgesetzt. Zu Stromausfällen kam es vor allem in Bayern.

Bahnreisende im Norden sind wegen des aktuellen Sturms von massiven Einschränkungen betroffen. In weiten Teilen Deutschlands sei der Betrieb stark eingeschränkt, sagte ein Bahn-Sprecher in der Früh: "In der Nordhälfte verkehren bis in die Mittagsstunden keine Züge im Fernverkehr." Das betrifft Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg. Auch im Regionalverkehr komme es zu Zugausfällen und Verspätungen.

Einschränkungen wurden auch für den Flugverkehr gemeldet. Neben den 20 bereits angekündigten Annullierungen streicht die Lufthansa im Tagesverlauf allerdings vorerst keine weiteren Verbindungen. Dies sei noch immer Stand der Dinge, teilte ein Unternehmenssprecher Donnerstagfrüh mit. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt sind nach Betreiberangaben Verbindungen mit Berlin, München und Hamburg betroffen. Am Flughafen Hamburg fallen rund ein Dutzend Flüge aus.

In der Hansestadt wurde am Morgen der Fischmarkt erneut überflutet. "Am Pegel St. Pauli wurde gegen 5.00 Uhr ein Wert von 1,98 Meter über dem mittleren Hochwasser (MHW) gemessen", sagte ein Sprecher des Sturmflutwarndienstes des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg. An der Nordseeküste spricht das BSH ab 1,5 Meter über MHW von einer Sturmflut. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 bzw. 3,5 Meter gesprochen. Der Hamburger Tierpark Hagenbeck bleibt wegen der Sturmgefahr am Donnerstag geschlossen.

Sturmflut an der Nordseeküste

An der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gab es in einigen Orten eine Sturmflut - in Husum etwa wurde ein Pegelstand von 1,64 Meter über dem mittleren Hochwasser gemessen. An vielen anderen Pegeln blieben die Wasserstände allerdings unter dem Wert einer Sturmflut. Auch für das Mittags- beziehungsweise Nachmittagshochwasser am Donnerstag warnte das BSH vor erhöhten Wasserständen. Die Brücke von Stralsund auf die Ostseeinsel Rügen ist seit der Nacht geschlossen. Erst wenn sich die Wetterlage beruhigt habe, könne die Rügenbrücke wieder geöffnet werden, hieß es vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommerns.

Die Feuerwehren und Polizeileitstellen berichteten am frühen Morgen vielerorts von zahlreichen Einsätzen, größere Schäden blieben vorerst aber aus. Die Feuerwehr Berlin rief den Ausnahmezustand aus.

Auch in Nordrhein-Westfalen hinterließ der Sturm Spuren. In Kleve am Niederrhein wurde das Zelt einer Corona-Teststation zerstört. In Wuppertal stürzte in der Nacht ein etwa 40 Meter hoher Baum auf die Schienen der Schwebebahn. Die Feuerwehr habe den Baum zersägt und weggeräumt, sagte ein Sprecher. In dem gesamten Bundesland wurde für Donnerstag außerdem der Schulunterricht abgesagt. Auch in mehreren Regionen Niedersachsens oder etwa Bayerns dürfen Schülerinnen und Schüler wegen der Wetter-Gefahren zu Hause bleiben.

Besonders stürmisch war es in der Nacht auf dem exponiert liegenden Brocken im Harz. Dort wurden kurz nach Mitternacht in der Spitze Windgeschwindigkeiten von bis zu 156 km/h gemessen. Auch in anderen Teilen Deutschlands gab es in exponierten Lagen wie Bergspitzen zum Teil Orkanböen und orkanartige Böen.

Auch in Bayern löste das Sturmtief viele Einsätze von Polizei und Feuerwehr aus. Der Freistaat blieb von größeren Schäden aber zunächst verschont, wie Polizeisprecher mitteilten. An einigen Orten fielen Bäume um. Viele davon stürzten auf Stromleitungen und sorgten dadurch für Stromausfälle. Alleine der größte Stromnetzbetreiber des Freistaats, Bayernwerk Netz, verzeichnete laut einem Sprecher 10.000 Betroffene. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor schweren Sturmböen in ganz Bayern.

Ab Donnerstagnachmittag lässt der Wind von Tief "Ylenia" laut DWD zwar langsam nach. Die Verschnaufpause dürfte jedoch nur kurz sein. Bereits für Freitagmittag wird das nächste Orkantief - "Zeynep" genannt - von den Britischen Inseln kommend erwartet. Laut DWD wird dann wahrscheinlich wieder vor allem die nördliche Hälfte Deutschlands betroffen sein.

Bereits Ende Jänner war das Sturmtief "Nadia" mit gefährlichen Böen über Nord- und Ostdeutschland gefegt und hatte Millionenschäden verursacht. Nach Ansicht des DWD-Meteorologen Andreas Friedrich sind die jetzigen Stürme, was die Windspitzen angeht, mit Tief "Nadia" vergleichbar. Die aktuelle Lage sei aus seiner Sicht allerdings brisanter, "weil wir eine Kette von Sturmtiefs haben". (apa/dpa)