Nicht auf dem Tennisplatz, sondern in einem Londoner Gerichtssaal entscheidet sich bald die Zukunft von Boris Becker. Am Freitag (29. April) will Richterin Deborah Taylor das Strafmaß für den früheren Tennisstar verkünden. Eine Jury hatte ihn vor drei Wochen in vier Anklagepunkten schuldig gesprochen.

Becker hat demnach Teile seines Vermögens im Insolvenzverfahren bewusst nicht vollständig angegeben. Die Laienrichter sahen es als erwiesen an, dass der 54-Jährige unter anderem eine Immobilie in seinem Heimatort Leimen verschleiert und unerlaubterweise hohe Summen auf andere Konten überwiesen hat. Ihm könnte nun theoretisch eine Haftstrafe drohen.

Die Staatsanwaltschaft hatte insgesamt 24 Anklagepunkte gegen Becker erhoben. Er habe seinem Insolvenzverwalter zahlreiche Wertgegenstände verschwiegen und gebe nun seinen Beratern die Schuld, die sich ihm zufolge um seine Finanzen gekümmert hatten.

Becker selbst stritt die Vorwürfe ab. Der Verteidiger der Tennis-Legende erklärte, sein Mandant sei zwar naiv, aber unschuldig. In 20 von 24 Punkten folgte die Jury dieser Argumentation, auch bei der Frage nach verschwundenen Pokalen.

Doch der Schuldspruch in vier Punkten könnte ausreichen, um Beckers Leben zu verändern. "Diese Verurteilung ist eine klare Warnung für diejenigen, die glauben, sie könnten ihr Vermögen verbergen und damit davonkommen. Sie werden ermittelt und strafrechtlich verfolgt", hieß es von der Insolvenzbehörde. Becker kann sowohl gegen den Schuldspruch als auch gegen das Strafmaß Einspruch einlegen.

Becker lebt in London. Er kommentiert unter anderem für die BBC Tennisturniere und erfreut sich - anders als oft in Deutschland - bei den Britinnen und Briten großer Beliebtheit. Seine Partnerin Lilian De Carvalho Monteiro begleitete ihn jeden Tag ins Gericht.

Trotz seiner glänzenden Erfolge hat der dreifache Wimbledon-Sieger seit Jahren finanzielle Probleme. Becker machte dafür vor Gericht unter anderem die teure Scheidung von Ex-Frau Barbara verantwortlich sowie hohe Unterhaltskosten für Tochter Anna Ermakowa.

Nachdem er 2017 gerichtlich für zahlungsunfähig erklärt worden war, musste er den Insolvenzverwaltern sein Vermögen offenlegen - dabei ließ er aber nach Einschätzung der Jury wichtige Teile aus. Nun wird mit Spannung erwartet, ob das frühere Tennis-As deswegen sogar hinter Gitter muss. (apa/dpa)