Die akute Wasserknappheit in Norditalien setzt die größte italienische Region, die Lombardei, und seine zehn Millionen Einwohner unter Druck. Die dortigen Behörden haben die Nachbarregion Trentino nun um fünf Millionen Kubikmeter Wasser gebeten. Das Wasser soll für die Landwirtschaft genutzt werden und aus den Stauseen Malga Bissina und Malga Boazzo im oberen Daone-Tal entnommen werden.

Lokalen Medienberichten zufolge wurde die Vereinbarung vom Präsidenten der Region Lombardei, Attilio Fontana, als beschlossene Sache bezeichnet. Der Vizepräsident der Provinz Trentino, Mario Tonina, teilte jedoch mit, dass es noch keine Einigung in dieser Angelegenheit gebe. Das letzte Wort hat der italienische Stromnetzbetreiber Terna, weil die zehn Millionen Kubikmeter Wasser in den Stauseen als Stromreserve für das nationale Elektrizitätssystem dienen.

Die norditalienische Region Emilia Romagna forderte zudem von der Regierung 32 Millionen Euro für Wartungsarbeiten an den Kanälen in den Regionen Piacenza und Ferrara, sagte Stefano Bonaccini, Präsident der Emilia Romagna, laut Medienangaben am Mittwoch. Die Region soll vom benachbarten Ligurien Wasser aus einem Stausee erhalten.

Klimatische Extreme

"Auch wenn es im Moment keine dramatische Rationierung gibt, gibt es Verordnungen, die von Bürgermeistern erlassen wurden, um die Bürger aufzufordern, kein Wasser zu verschwenden", sagte Bonaccini. Er bezog sich dabei unter anderem auf eine Verordnung des Bürgermeisters der Ortschaft Castenaso bei Bologna, Carlo Gubellini. Um die Knappheit zu bekämpfen und den Verbrauch einzuschränken, dürfen Friseure und Barbiere in Castenaso demselben Kunden nicht zweimal den Kopf spülen.

Italien stöhnt unter einem Sommeranfang der klimatischen Extreme. Österreichs südliches Nachbarland erlebt seit Monaten eine historische Trockenperiode. Auffallend hohe Temperaturen belasten Italien. Die arg leidenden Regionen fordern von der Regierung in Rom die Ausrufung eines Ausnahmezustands. Damit könnten Maßnahmen wie Wasserrationierung ergriffen werden. Die Regierung hat diesbezüglich noch keinen Beschluss gefasst.