Dürre, Hitze, Brände - klimatische Extreme prägen den Sommeranfang in Italien. Eine historische Trockenperiode sucht den Norden des Landes heim: Der Po führt so wenig Wasser wie seit 70 Jahren nicht; statt eines mächtigen Stroms ist er an einigen Stellen nur noch ein Rinnsal. In Italiens längstem Fluss, der die Lebensader der reichen nördlichen Regionen und für rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Produktion existenziell ist, wurden im Juni nur noch rund 20 Prozent der sonst in dem Monat gewohnten Menge gemessen.

Einige Provinzen schlagen seit Wochen Alarm; sie forderten von der Regierung in Rom, einen Wetter-Notstand auszurufen. Dieser wurde zu Wochenbeginn für fünf Regionen deklariert - und zwar bis zum Ende des Jahres. Damit können die Behörden unter Umgehung der üblichen Vorschriften rasch Maßnahmen anordnen, wie eine Rationierung von Wasser. Die Regierung gab zudem bekannt, 36,5 Millionen Euro an Soforthilfe bereitzustellen. Das Geld soll in die Regionen Piemont, Lombardei, Venetien, Friaul Julisch Venetien und Emilia Romagna fließen.

Den größten Betrag, fast ein Drittel der Summe, erhält Emilia Romagna, wo sich die Mündung des Po befindet. Dort dringt immer mehr Meerwasser der Adria ein. Dadurch vermischt sich das Süß- mit dem Salzwasser und trocknet das Gelände um den Fluss herum aus.

Landwirtschaft leidet

Einige Orte haben noch vor der Entscheidung in Rom erste Schritte gesetzt, um der Wasserknappheit zu begegnen. In Mailand und Venedig etwa wurde das Wasser in den großen Brunnen abgestellt, die private Autowäsche untersagt. In der Gemeinde Castenaso bei Bologna dürfen Gästen in Friseursalons nur noch maximal einmal die Haare gewaschen werden. Die Lombardei fragte bereits in der benachbarten Schweiz um Wasser aus dem Kanton Tessin an. Zuletzt rationierte Verona den Trinkwasserverbrauch. Bis zum 31. August ist es demnach untersagt, Trinkwasser zur Bewässerung von Gärten und Sportanlagen sowie zum Autowaschen und zum Befüllen von Swimmingpools zu verwenden.

Doch ist es vor allem die Landwirtschaft, die unter der Dürre besonders leidet. "Wir machen uns große Sorgen um den Anbau von Mais, Soja und Reis", erklärte Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli vor kurzem. Der Agrarverband Coldiretti rechnete vor, dass etwa in der Toskana in Mittelitalien 30 Prozent der Ernten dieses Jahres verloren gehen werden: "Und das ist der bestmögliche Fall." Außerdem sei die Hälfte der Viehzucht bedroht.

Die anhaltende Trockenheit hat ebenfalls Auswirkungen auf einen Teil der Energieversorgung. So ging die Stromproduktion aus Wasserkraftwerken deutlich zurück. Diese befinden sich vor allem in den Bergen im Norden des Landes. Sie liefern normalerweise fast ein Fünftel des in Italien benötigten Stroms.

Marode Wasser-Infrastruktur

Aber nicht nur Notmaßnahmen will die Regierung in Rom ergreifen. Daher möchte sie einen längerfristigen Plan gegen Wasserknappheit beschließen. So will sie 1,38 Milliarden Euro bereitstellen, um die Wasserverluste der veralteten italienischen Aquädukte zu verringern, wobei der Schwerpunkt auf dem Süden liegt. 2,7 Milliarden Euro sollen ab dem kommenden Jahr in die Modernisierung und den Ausbau der nationalen Wasserinfrastrukturen fließen. Dabei greift die Regierung vor allem auf Mittel aus dem von der EU finanzierten Wiederaufbauprogramm zurück. Um den Zeitplan für die Interventionen zu beschleunigen, plant sie eine Vereinfachung der Vorschriften für die Realisierung der Projekte. Nach Regierungsangaben sind die Wasserspeicherbecken und die Leitungen des Landes teils in so marodem Zustand, dass darin 30 Prozent des Wassers versickern.

Mara Carfagna, Ministerin für Süditalien, hob die Notwendigkeit hervor, der Wasserproblematik Vorrang einzuräumen. Davon sollen auch Städte wie Enna und Palermo auf Sizilien und Neapel profitieren, wobei Wasser verlierende Aquädukte auf hunderten von Kilometern modernisiert werden sollen.

Im Kampf gegen die aktuelle Dürre erwägt Ministerpräsident Mario Draghi Medienberichten zufolge außerdem die Ernennung eines eigenen Kommissars. Ähnlich war dies in der Corona-Pandemie, als die Regierung einen Sonderposten eingerichtet hatte.

Allerdings ist Italien keineswegs das einzige südeuropäische Land, das mit Trockenheit und Hitze zu kämpfen hat. Auch in Spanien herrscht mittlerweile Wassermangel, weil die Trockenheit die Pegel vieler Stauseen sinken lässt. In Portugal ist von der schlimmsten Dürre seit 20 Jahren die Rede. Und in Griechenland zählte die Feuerwehr binnen einer Woche 311 Waldbrände und warnte vor anhaltend hoher Brandgefahr. (dpa/reu/afp/apa)