Der Zugverkehr in weiten Teilen Norddeutschlands ist Samstagvormittag durch einen Sabotageakt für drei Stunden unterbrochen worden. "Wir wissen, dass an zwei unterschiedlichen Standorten in Deutschland die Kabel vorsätzlich durchtrennt worden sind", sagte Verkehrsminister Volker Wissing (FDP). "Klar ist, dass es sich um ein gezieltes und mutwilliges Vorgehen handelt." Die Hintergründe der Tat seien aber noch unklar.

Zuvor hatte die Deutsche Bahn offiziell von einem Sabotageakt gesprochen. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) und Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) sagten eine rasche Aufklärung zu. Der Zugverkehr war in der Früh nach Angaben der Deutschen Bahn vor allem in den Bundesländern Niedersachsen, Hamburg und Bremen ausgefallen. Dies betraf sowohl den Fern- als auch den Regional- und Güterverkehr. Allerdings waren auch die Fernverbindungen etwa nach Nordrhein-Westfalen sowie Berlin betroffen. Noch am Vormittag konnte der Bahnbetrieb wieder aufgenommen werden.

Anschläge in Berlin und Nordrhein-Westfalen

Die Sicherheitsbehörden hätten die Ermittlungen aufgenommen, teilten sowohl Wissing als auch die Bahn mit. Die Anschläge sollen am Karower Kreuz in Berlin und in Herne in Nordrhein-Westfalen stattgefunden haben. Dabei seien auch die Backup-Systeme der Bahn ausgefallen, hieß es in Sicherheitskreisen. Die Ermittlungen würden mit Hochdruck in alle Richtungen geführt, hieß es seitens der Bundespolizei. "Aktuell ist von einer zielgerichteten Fremdeinwirkung von außen auf Kabel der Deutschen Bahn auszugehen", sagte ein Sprecher. Zu weiteren Details könne er auch aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft geben.

Innenministerin Faeser äußerte sich zurückhaltender: "Wir müssen von vorsätzlichen Taten ausgehen, die den Bahnverkehr in Norddeutschland mehrere Stunden lahmgelegt haben." An zwei Orten seien für den Bahnverkehr unverzichtbare Kabel durchtrennt worden. "Die Bundespolizei ermittelt mit Hochdruck." "Sollte es einen verfassungsfeindlichen Hintergrund geben, wird der Generalbundesanwalt ermitteln", betonte Justizminister Marco Buschmann (FDP) auf Twitter.

Auswirkungen auf Österreich begrenzt

In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Anschläge auf die Bahn gegeben, etwa durch Linksextremisten. Zudem gab es Störungen durch Kabeldiebstähle. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und den Lecks in den Gaspipelines durch die Ostsee wächst allerdings die Furcht vor gezielten Anschlägen auf die kritische Infrastruktur in Deutschland, auch durch ausländische Akteure. Am Vormittag hatte die Bahn auf die Frage nach einer Fremdeinwirkung noch gesagt, dass es sich um eine technische Störung handle. Diese wurde aber offenbar durch die Kabelschäden verursacht, die den Funkverkehr lahmlegten. Die gleichzeitige Sabotage an zwei Kabeln deute zumindest auf eine gewisse Expertise hin, hieß es in Sicherheitskreisen.

Die Auswirkungen des Vorfalls auf den österreichischen Bahnverkehr hielten sich in Grenzen. "Die Züge, die nach Österreich verkehren, sind - bis auf wenige Ausnahmen - verlässlich im Zeitplan", hieß es seitens der Pressestelle der ÖBB auf APA-Anfrage. Vereinzelt sei es zu Ausfällen gekommen bzw. zu Verspätungen von bis zu 60 Minuten. (apa)